Bilder, Berichte und Geschichten von den Kykladen Teil III
Für Janis
Es ist das Leben, das uns umhaut.
Und gerade jetzt hat die Griechenlandkrise voll zugeschlagen. Doch sie findet nicht in Griechenland statt, sondern im Kopf bei uns.
Nach vier Wochen griechischer Gastfreundschaft, Landschaft und des Erlebens der griechischen Mentalität wird klar: hier hat sich nichts, aber auch gar nichts verändert.
Wir lassen unsere Reise wie so oft auf Naxos ausklingen, inmitten des Hinterlandes der Strände von Kastraki, Glyfada, Pyrgaki, in der Weite der fruchtbaren Landschaft. Die Tage sind heiß, zu heiß zum Sonnenbaden. Wir erkunden die Tragea Hochebene, unzählige byzantische Kapellen wie Drosiani, Damiotissa, Apostoli, und landen doch später am Strand und im Meer.
Die Abkühlung tut gut, die Nacht ist seidenweich, endet wie so oft auf der Terrasse. Die Ruhe haut uns um. Ein paar Grillen zirpen, ein paar Frösche quaken. Die Kartoffelbauern haben für heute ihre Ernte beendet. Stille.
Etwas entfernt in der Weite des Hinterlandes tönt eine griechische Feier zu uns herüber, erst ein paar Tonfetzen, dann immer mehr. Etwas griechische Folklore, weit entfernt. Wir schauen in den naxiotischen Nachthimmel, sternenklar, und lauschen den Klängen aus der Nachbarschaft. Wie gut das passt!
Der Himmel wölbt sich nicht über uns, er saugt uns auf, wir werden ein Teil vom griechischen Kosmos, er umhüllt uns ganz mit der Musik, es ist Livemusik.
Ein Mann singt sich die Seele aus dem Leib, begleitet von der Klarinette, singt von der Kargheit der Insel, der Mühsal und der Schwere der Arbeit, dem Überlebenskampf in dieser harten Welt.
Aber gleichzeitig auch von der Freude, der Lebensfreude und dem Glück, dem Empfinden der Lebendigkeit und des Daseins. Der Verbundenheit von Liebe und Leid. Voller Dankbarkeit, Stolz und Zerissenheit. So, wie nur die Griechen das können, voller Gefühl.
Ohne Gedanken an Morgen und Gestern, ganz im Hier und Jetzt.
Wir stellen uns vor und hören, wie die Teller oder Flaschen auf dem Boden zerdeppert werden, je mehr desto besser, keine Rücksicht auf Verluste, wir haben es schon oft miterlebt.
Was kümmert uns das Morgen? Heute Nacht ist die Einzige die zählt. Sonst haben wir keine. Jetzt oder nie, was kostet die Welt?
Ein leichtes Gefühl des Glücks durchströmt uns und wir wissen: wir werden die griechische Seele nie erreichen, wohl aber verstehen.
Stelida Adventures...
...also, es war zum Verzweifeln. Endlich war der Urlaub da, aber Ruhe wollte nicht aufkommen.
O.k., es war schon Ende Juni, die Inseln füllten sich langsam mit Touristen aus Skandinavien, auch jungen Leuten, internationalem Publikum.
Aber es war wie verhext, kein ruhiges Plätzchen zu finden. Am Agia Anna auf Naxos fuhren die Mopeds vor unserer Nase auf und ab, wir hatten ein schönes Apartment direkt an der Strandstraße.
Und auch vor der Taverne Paradiso herrschte reges Treiben, Sightseeing per Zweirad. Selbst am Strand hörte man die nahe gelegene Straße noch mit ihrem Verkehr.
Ruhe! Wir brauchten endlich Ruhe!
Also machten wir uns auf den Weg und suchten das einsamste Haus der Insel.
Und wir wurden fündig. Auf der Halbinsel Stelida, hoch gelegen mit schönem Blick über den Prokopios Strand fanden wir es. Ein Haus, ganz einsam, alle Zimmer mit Balkon. Heute steht es leider nicht mehr allein, es wurde ringsherum zugebaut.
Aber so einsam wie es war, so schwer war auch der Besitzer zu finden. Wir schauten uns in der Umgebung um und fragten in der nahe gelegenen Taverne nach.
Sehr freundlich schien der Wirt nicht zu sein.
"Signomi, wissen Sie vielleicht, bei wem man die Zimmer des Hauses dort oben mieten kann?"
"Welches Haus?"
"Dort oben, das am Hang."
"Warum?"
"Wir möchten dort gern ein paar Tage bleiben."
"Warum gerade dort?"
"Es ist so schön ruhig gelegen."
"Aha. Wie lange?"
"So drei bis vier Tage."
"Und dann?"
"Dann fahren wir weiter."
"Hm".
"Was würde es denn kosten?"
"Billig ist es nicht."
"Gut, wir nehmen es."
Widerwillig rückte der Wirt nach einigem Zögern einen Schlüssel heraus, erklärte uns kurz das Wie und Was und ließ uns einziehen.
Das Zimmer war schön, offensichtlich war es vor kurzem noch bewohnt, frisches Bettzeug lag im Schrank, wir durften die Betten selbst beziehen. Ein Nachbarzimmer schien belegt zu sein.
Der Blick vom Balkon war fantastisch, und absolut ruhig war es auch. Merkwürdig, dass das Haus noch nicht von den Touristen entdeckt wurde, ein echter Geheimtipp! Obwohl: nicht gerade billig.
Gäste sahen wir selten, es war ein griechisches Paar, eine junge Frau, die kurz mal tagsüber ihre Nase aus dem Fenster steckte.
Etwas merkwürdig war dann allerdings doch, dass auch hier einiges an Autoverkehr ablief. So viele Autos konnten die Gäste doch gar nicht haben!
Und irgendwie sah der Typ von nebenan auch jedesmal anders aus. Bis wir es merkten: auch hier herrschte reger Verkehr.
Das Haus war der Insel-Puff.
Na ja, solange es ruhig war!
End of Summertime...
Der Blick schweift weit über die Hafenbucht, langsam trudeln die letzten Segler ein. Die Badegäste am Ortstrand erheben ihre vom langen Liegen müde gewordenen Knochen, strecken die steifen Arme noch einmal sehnsüchtig der Sonne entgegen, der Opa zeigt seinem Enkel, wie das Kaiki richtig am Anleger festgemacht wird, der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Zeit, es sich in der Hafentaverne richtig gemütlich zu machen, den Sundowner im Glas, die milde Abendsonne fest im Blick.
Die Tische in der Taverne werden mehr und mehr besetzt, eine andächtige Ruhe breitet sich aus, leise Töne schwappen vom Nachbarlokal herüber, ein paar Althippies die Gitarre spielen. Na ja, solange sie nicht „wir lagen vor Madagaskar“ singen.
Das Gitarrenspiel stört nicht wirklich, ist kaum zu hören, wird aber jetzt doch intensiver und vernehmlicher. Und eine weibliche Stimme gibt’s auch dazu. Manche Gitarrenriffs klingen gar nicht so schlecht, die Frau summt etwas dazu, eine kleine Jamsession. Man einigt sich offensichtlich doch auf ein bekanntes Stück, Summertime von George Gershwin.
Und die beiden Musiker bringen es wirklich klasse. Eingeflochtene Gitarrensoli, einige Gesangseskapaden. Wirklich toll, passend zur Abendstimmung und dem Sonnenuntergang. Das sind keine Althippies, das sind wirklich gute Musiker.
Summertime, And the livin' is easy Fish are jumpin' And the cotton is high
Your daddy's rich And your ma's good lookin' So hush little baby Don't you cry
Mittlerweile lauscht die gesamte Taverne interessiert den Klängen vom Nachbarlokal, die beiden Künstler haben ihre Welt um sich herum längst vergessen und verlieren sich in ihrer Musik.
Das Stück klingt leise aus, die Tavernengäste beginnen zu applaudieren, es war wirklich sehr stimmungsvoll gespielt und gesungen. Und so schauen die beiden Musiker plötzlich ganz verwundert zu uns herüber, eher peinlich berührt, packen die Gitarre ein, steigen in ein offensichtlich telefonisch vorbestelltes Taxi, winken uns nochmals bei der Abfahrt zu. Ich kann mir nicht helfen, jetzt so aus der Nähe sieht der Gitarrist doch genau aus wie Al Di Meola…
Ein Blick hinter den Vorhang auf Serifos...
Es gibt Momente da zweifle ich, ob ich die Kykladen nicht viel zu schön darstelle, ob sie von Anderen, wenn sie denn ihre Reise antreten, wirklich so harmonisch und ästhetisch wahrgenommen werden, wie ich sie zeige.
Ob die Erwartungen nicht viel zu hoch sind, auch aufgrund meiner Bilder und Schilderungen.
Denn häufig habe ich erlebt, dass Mitmenschen enttäuscht von meinen Lieblingsinseln abgereist sind. Sooo haben sie sich das nicht vorgestellt. Das Paradies geht anders!
Sicher, schon mancher hat von den etwas einfachen Verhältnissen gehört, von der Improvisationsfähigkeit der Griechen, was auch auf Kosten von Sicherheit und Gesundheit gehen kann - die jüngsten Waldbrände um Athen haben es erst wieder bewiesen.
Aber auch im Kleinen wird improvisiert, zum Beispiel was Bad und Küche in vielen Unterkünften auf den Kykladen angeht. Ein am Körper klebenden Duschvorhang hat ja noch etwas Spezielles.
Doch wenn man zu Hause einigen Komfort gewöhnt ist, muss im Urlaub der Wasserhahn nicht unbedingt vor Grünspan schimmern, der Boiler Rostflecken zeigen oder die Toilettenspülung defekt sein. Denn hier ist gerne der Haltearm für den Schwimmer durchgerostet, das Wasser fließt nur noch Tröpfchenweise nach.
Da muss schon mal per Brauseschlauch nachgefüllt werden, wenn man nicht stundenlange Reparaturarbeiten durch den Hausherrn im Bad in Kauf nehmen will.
Die Entschädigung für diese kleinen Mißstände ist aber immer die kykladische Landschaft, die auch durch die größte Improvisation der einheimischen Bevölkerung nicht kaputt zu kriegen ist.
Man muss es sich einfach klar machen: die Kykladen sind einfache Inseln, weitab vom Festland, mit etlichen Müll- Logistik- und Verkehrsproblemen. Ein von uns gewohnter Standard ist hier noch nicht erreicht. Man sollte nur einmal einen Schritt hinter das Fotomotiv tun - oder den "Vorhang" ein wenig zur Seite schieben.
Ein kleines Beispiel: In Livadi auf Serifos musste die Hauptstraße asphaltiert werden. Die Schlaglöcher waren einfach zu groß, und die Saison hatte eigentlich bereits begonnen.
Der warme Asphalt wurde auf die Straße gekippt, verteilt und der Verdichter rollte ein- zweimal darüber. Die Passanten störte das nicht weiter, Hauptsache die Ausbesserung war schnell erledigt.
Auch die als Sperrmüll an die Straße gestellten Schränke störten nicht groß. Es wurde um sie herum asphaltiert.
Und so war die Straße nach kürzester Zeit wieder befahrbar. Allerdings hatte der Bus mittlerweile schon tiefe Spurrillen hinterlassen, und der Sperrmüll war immer noch nicht beseitigt. Die Fahrbahndecke wird höchstens zwei Monate halten.
Es ist nun mal so: der Grieche tickt einfach anders. Es muss nicht alles perfekt sein. Und es muss schnell gehen. Denn der Mißstand hat ja schon lange genug gedauert. Improvisation ist alles.
Wie schrieb einst Kazantzakis:
"Auf meiner ganzen Reise durch die Ägäis spürte ich tief, dass wirklich der Vorhang das Bild ist. Wehe dem, der den Vorhang zerreißt, um das Bild zu sehen; er wird nur das Chaos erblicken."
(Nikos Kazantzakis, 1883 - 1957, Im Zauber der griechischen Landschaft)
Vielleicht ist es das, was einen Kykladenurlaub ausmacht: Urlaub von der Perfektion, mit einem Schuss mehr an Lebensfreude und Gelassenheit.
Der Tanga-Man vom Inselstrand...
Eigentlich bin ich kein Freund von Badebekleidung.
Gerne suche ich auf den griechischen Inseln die Strände aus, die etwas abgelegen und naturbelassen sind, wo sich kein Mensch daran stört, dass man „ohne“ baden geht und wo das üblich ist. Ich weiß auch nicht, warum man sich zum Baden etwas anziehen sollte. Vielleicht, damit die Petermännchen sich nicht erschrecken.
Doch es gibt auch schöne Inseln, auf denen man solche FKK Strände seltener findet, wie Serifos, Sifnos oder Milos.
So passe ich mich der Umgebung dann an und zwänge mich in meine – zugegeben – etwas ältere Badehose, die ja wirklich selten gebraucht wird.
Etwas verwundert bin ich schon, wenn ich beobachte, wie sich die Bademode in den letzten Jahren verändert hat. Während die Bikinis der Damen immer knapper werden, laufen die Badehosen der Herren zu Höchstmaßen auf. Knielang ist noch das Mindeste.
Sich mit soviel Stoff in die Fluten zu stürzen wäre mir ein Gräuel. Gar nicht zu denken an die allzu lange Trocknungsphase hinterher. Auch die Aerodynamik (oder sagt man Aquadynamik?) wäre dahin.
Da wähle ich lieber mein Modell „Michael Phelps“, eng, knapp, schnell (-trocknend).
Ich male gerade mein „Kykladenfieber“ in den Sand, als sich ein paar griechische Jugendliche nähern, und ich sehe, dass sie sich für mich interessieren. Ich denke, wegen der schönen Sandmalerei.
Sie starren mich heimlich an und tratschen offenbar über mich.
Da ich ja wirklich nur wenig Griechisch verstehe, macht mir das nichts aus, verstehe allerdings nur ein Wort: "...Tanga-Man".
Aha. So gemein kann die Jugend sein. Ich schaue mich um und sehe, dass ich wohl doch der einzige Tourist am Strand bin, der noch so ein knappes Teil trägt. Wo sind all die Mitstreiter aus England, Italien, Frankreich geblieben? Wohl noch nicht vor Ort. Die griechischen Jungs haben sich durchgesetzt, wahrscheinlich gesponsert von der Textilindustrie.
Dabei ist mein Tanga doch wirklich praktisch. Ich benutze ihn sogar in der Nacht – als Abdunkelung der permanent leuchtenden Notlichter im Apartment.
Gut, nächstes Jahr hab ich was Neues an.
Sifnos von Fáros nach Kástro...
Irgendwann im Urlaub juckt es uns in den Füssen. Sie wollen bewegt werden.
Nachdem ich mich allmählich an den Anblick der Stavrós Kapelle mit dem Leuchtturm in der Fassoulou Bucht bei Faros gewöhnt habe, verlangen Auge, Körper und Geist nach Abwechselung.
Frühzeitig um 7:00 Uhr vom Sensenmann mit seiner Motorsense geweckt (wieso muss im Urlaubsgebiet morgens um 7:00 Uhr ein völlig unwichtiger Feldwegrand gemäht werden?) machen wir uns auf den Weg von Faros nach Kastro.
Mit dem Wanderführer von Dieter Graf unterm Arm geht es los, den Weg hätten wir alleine nie gefunden. Er ist schon sehr gut beschrieben.
An der Bucht von Faros vorbei steigen wir hoch und sind wieder einmal überrascht, wie wenige Schritte genügen, um aus dem Touristen-Alltag auszusteigen und in die Ursprünglichkeit und Ruhe der Insel einzutauchen.
Jetzt wissen wir auch, woher der Sensenmann kam, der uns am Morgen geweckt hatte. Der gesamte Wanderweg rund um Faros war von ihm für uns schon mal freigeschaufelt worden. Als hätte er gewusst, dass wir kommen. Na ja, dann können wir ihm nicht weiter böse sein.
Vorbei an einer etwas verlotterten Solaranlage wird die Vegetation auf der anderen Seite der Straße plötzlich wieder üppiger, und im dichten Grün kommt uns der sprichwörtliche Alte auf seinem Esel entgegen, erkundigt sich nach unserm Ziel und wünscht uns einen schönen Tag.
Die Hitze nimmt rasch zu, und so suchen die Esel den Schatten der Bäume. Nur die dummen Ochsen - oder Stiere - stehen in der Landschaft herum wie die Brandy-Werbung im Spanischen Hochland, regungslos.
Schon bald sehen wir am Ende eines Hohlweges unser Ziel, Kastro. Nur noch das Tal hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf, und schon sind wir da.
Kastro selbst ist kein verlassener Ort, wie immer mal wieder behauptet wird. Wäsche hängt an der Leine und flattert im Wind, der Papás macht seine Runde und hat ein Ohr für die Sorgen seiner Schäfchen.
Das schöne Café mit der tollen Aussicht am Rundweg des Kastro enttäuscht uns wie gewohnt, eine reine Touristenfalle, ködert uns mit einem Glas Wasser bevor wir uns setzen und einen Blick in die Karte tun, bietet aber nur teure Fruchtcocktails an, keine preiswerten Softdrinks, und so machen wir uns auf den Weg zurück nach Faros.
Wir lassen es uns schmecken in der kleine Ouzerie "O Faros" und genießen den Blick über die Bucht.
Der "Metrio" zum Abschluss ist etwas gewöhnungsbedürftig, megalo aber lecker.
Agios Stavrós hat uns wieder.
Sifnos, ein magischer Ort...
Es ist merkwürdig, aber sobald ich Sifnos betrete zieht es mich immer wieder an einen ganz besonderen Ort.
Es ist nicht nur die Kirche Pangía Chrissopigí selbst, die in fantastischer Lage an der Ostküste liegt.
Es ist das Taufbecken hinter der Kirche, das weit draußen fast im Meer auf der Felszunge Iero Vracho liegt und eine magische Anziehungskraft auf mich ausübt. Der schöne alte Taufstein ist mittlerweile durch ein modernes Taufbecken ersetzt worden, aber immer noch geht von diesem Ort eine unglaubliche Ruhe aus.
Wenn ich hier stehe gleitet vor meinem geistigen Auge fast automatisch mein bisher gelebtes Leben an mir vorbei. Wie im Film kommen plötzlich Ereignisse und Personen ins Spiel. Was wäre wenn und wo und wann...
Für eine Taufe gibt es keinen schöneren Ort. Hier kann ich sie mir wunderbar vorstellen.
Aus Deutschland würde die gesamte Verwandtschaft angekarrt, in vollen Fliegern und in sechsstündiger Schiffsfahrt. Die Kleidung ist schon mindestens dreimal durchgeschwitzt, bis sie hier landen.
Dann das etwas einfache Hotel in Sifnos, vielleicht das "Boulis" in Kamares in der Mitte des Strandes (was sollen wir nur hier?), das Verkleiden in festliche Garderobe, die feinen Schühchen der Damen.
Das stolpern über die Felsen - und dann der Aha-Effekt. Die Wucht der Elemente spürend - den Wind und die Sonne auf der Haut, in das tiefdunkle Blau der Ägäis blickend wird jedem plötzlich die Unendlichkeit Griechenlands klar, und die Unwichtigkeit und Endlichkeit des eigenen Seins.
Vielleicht würde hier dem Einen oder der Anderen ein Licht aufgehen was es heißt, griechenlandsüchtig zu sein. Hier mit den richtigen Leuten zu stehen und zu feiern, das wär´s, die Welt in einem anderen Licht betrachtend, Dinge anders sehen.
Manch einer würde am liebsten direkt bis in die Kirche fahren...
An diesem Ort wundert es mich auch nicht mehr, wenn plötzlich die Felsen ringsherum lebendig werden und merkwürdige Silhouetten freigeben, bekannte Gesichter. Wer mag das sein?
ist der Name einer ganz besonderen Fähre der Reederei Zante-Ferries, die zur Zeit die Westkykladenroute bedient.
Von Piräus über Serifos und Sifnos fährt sie nach Milos und auch über Ios bis nach Santorin.
Schnell ist sie nicht, doch wer die alten langsamen Fähren vermisst, wird sich auf ihr wohlfühlen.
Innen erstrahlt sie in neuem Glanz, RGB-Lights in der Decke wechseln durch das gesamte Farbenspektrum. Die Einrichtung ist modern, mit Holzfußböden, und die blauen Glastische an Deck zeigen einen interessanten Crackelee Effekt. Das Bordrestaurant ist sehr empfehlenswert, bietet reichlich Auswahl, nur die kleine Dose Bier für 3,50 Euro trübt das Gesamtbild etwas.
Aber ganz anders als z.B. auf den BlueStar Fähren fühlt man sich wie auf einer kleinen Kreuzfahrt durch die Ägäis, läßt die Beine und die Seele über die Reling baumeln und hofft, dass diese Reise niemals zu Ende geht.
MERRY CRISIS...
"Fröhliche Krise" könnte das Motto meiner Reise im Juni 2009 lauten, so wie es die Chaoten auf den Rolladen des Kafenions auf der Mitropolis-Street in Athen gesprüht haben. Denn - von Krise habe ich wenig gespürt. Es war voll. Fast überall.
Nachdem ich die Wärmekamera am Airport passiert hatte, die mich wohl auf die Schweinegrippe hin testen sollten, und deren Bild außer mir keinen wirklich interessierte, trafen wir auf jede Menge Italiener, Franzosen, Engländer und vor allem griechische Touristen auf den Inseln. Nur wenige Deutsche. Die pflegten sicher zu Hause die Krise, alle anderen hielten sich einfach nicht daran!
Obwohl: es ist schon ein merkwürdiges Bild, die stolzen Pötte der G.A. Ferries aufgereiht wie auf einer Perlenschnur im Hafen von Piräus liegen zu sehen; Schiffe, mit denen wir gerne die Kykladen bereisten: Milena, Romilda, Rodanthi, Dimitroula und wie sie nicht alle heißen.
Jetzt liegen sie vor Anker, sicherlich auch eine Auswirkung der weltweiten Krise.
Nur die unerschütterlichen Fähren der Blue Star Ferries fahren unbeirrt unter dunkel aufziehenden Wolken.
Doch unser Ziel lag diesmal nicht zuerst auf den Kykladen, sondern es war die Insel Skyros, wie schon erwähnt. Um es vorweg zu sagen: von Skyros waren wir begeistert, die Insel bietet eine gute Mischung aus Strand- Wander- und Erlebnisurlaub, vieles ist zu Fuß zu erreichen.
Skyros
Danach mussten sich unsere weiteren Ziele mal wieder ins Zeug legen, um uns zu gefallen: Sifnos, Serifos und Milos.
Sifnos
Serifos
Milos
Aber auch hier gab es viel Neues zu entdecken, Wege zu erwandern und Kurioses zu erleben. Aber davon später mehr.
Weiße Hosen aus Athen…
…habe ich diesmal nicht mit nach Hause gebracht. Die haben die vier Wochen nicht ganz weiß überstanden. Dafür aber ein paar weiße Windmühlenflügel für meinen Freund Alex aus Köln, der jetzt auch bald unterwegs ist.
Kalo Taxidi!
S.O.S in der Ägäis
Es war am 24. Juni, als ich dachte, ich müsse sterben.
Unser Urlaub ging nach vier ereignisreichen Wochen langsam zu Ende, wir befanden uns mittlerweile auf Amorgós, unserer letzten Station, als der Fährenstreik einsetzte.
Nichts Ungewöhnliches zu diesen Zeiten, die staatlich subventionierten Reedereien bezahlten eine magere Heuer, ein Traumjob muss es nicht gewesen sein, auf den alten Pötten im Maschinenraum Dienst zu schieben, mit dem Ölkännchen in der Hand. Meistens dauerte so ein Streik aber nur drei bis vier Tage.
Wie dem auch sei, unser Flieger ging am Samstag ab Athen, und den mussten wir erreichen, koste es was es wolle. Die Flugtickets waren damals noch doppelt so teuer wie heute – und der Urlaub war vorbei, die Arbeit rief.
Doch plötzlich, nach ein paar langen Tagen und Nächten des Wartens schien eine Lösung nahe: ein Tragflügelboot der (damals nicht staatlich unterstützten) Flying Dolphins – du weißt welche ich meine, einer dieser gelb-roten uralten russischen Wolgadampfer - beteiligte sich nicht an dem Streik und schob unplanmäßig mal eben die Route Katapola – Kleine Kykladen – Naxos – Syros - Andros – Rafina ein.
Von dort war es möglich, per Bus nach Athen zu fahren.
Gute Idee! Ein Ticket war mühelos zu bekommen, bei freier Sitzplatzwahl.
Doch trotz des schnell ergatterten Tickets ist in so einem Fall die Skepsis immer angebracht, ob der Deal gelingt, ob nicht doch noch die eine oder andere Flugbegleiterin sich dem Streik anschließt und die ganze Sache platzen lässt.
An eine sichere Rückfahrt war erst zu denken, als wir den Kahn betreten hatten, das Gepäck im Gang neben den Sitzen verstaut war, denn wirklich Platz für die Rucksäcke und Koffer gab es auf diesen Schiffen nicht.
Schon in Amorgós füllte sich das Boot zusehens, offenbar hatten wir wegen des Streiks etliche Leidensgenossen, die mit uns das Schicksal teilten.
Gut besetzt steuerten wir Koufonisi an, wo jedoch ebenfalls einige Hundertschaften am Anleger warteten, um mitgenommen zu werden. Nun, nach dem Motto: „Platz ist in der kleinsten Hütte“ stapelten sich Passagiere und Gepäck in den Gängen, auf der Außenplattform am Heck, die während der Fahrt eigentlich geschlossen sein sollte, standen in den Außentüren, die sich vor Fülle nicht mehr schließen ließen, und besetzten sogar die Toiletten mit Sack und Pack.
Ein wenig fühlte ich mich in meiner Bewegungsfreiheit schon eingeschränkt, mitten drin im Pulk, es gab kein Vor- und Zurück, überall Gepäckstücke, die den Weg versperrten, darauf thronend die jeweiligen Besitzer, ihren Platz, ihr Hab und Gut verteidigend. Bei einem Crash wäre eine Evakuierung nicht möglich gewesen.
Eine gewisse Klaustrophobie machte sich breit.
Auch an eine „High-Speed“-Fahrt war kaum mehr zu denken. Langsam fuhr der Kapitän das Boot aus dem Hafen von Koufonisi, und sobald er Gas gab, hob sich der Rumpf des Schiffes wie eine lahme Ente nur mühsam um ein paar Zentimeter.
Die Passagiere auf der rückwärtigen Plattform fingen aufgrund ihrer nass werdenden Füße plötzlich an zu kreischen, Wasser drang ein, der Kahn drohte nach hinten wegzusacken und abzusaufen. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon die Schlagzeile in der einschlägigen Presse:
„Fährentragödie in der Ägäis – völlig überfüllte Fähre gesunken – 136 Tote – darunter 2 Deutsche“
Beruhigend war das nicht. Solche Schlagzeilen kannte ich bisher lediglich aus Fernost, den Philippinen oder Südindien. Ich dachte wirklich: Das überlebst du nicht.
An Bord war es inzwischen mucksmäuschen still.
So tuckerten wir – bei mäßigem Seegang, Stärke 5-6, auf Schinoussa zu, wo sich die Situation aufgrund des Andrangs noch deutlich verschlimmern sollte.
Mein Entschluss stand fest: in Iraklia steigen wir aus, koste es was es wolle, auf keinen Fall unser Leben.
Doch sinnvoller Weise entschied sich der Kapitän, die Insel Iraklia als Haltestelle auszulassen und langsam direkt Naxos anzulaufen – aus welchem Grund auch immer. Die Türen waren verstopft, ein Aussteigen unmöglich. So tuckerten wir wie eine Ladung von Schiffbrüchigen in den Hafen von Naxos.
Die Sache eskalierte.
Um überhaupt weiterfahren zu könnten hielten der Captain und seine Offiziere eine kleine Konferenz ab, tuschelten miteinander, kratzten sich am Kopf.
Das Ergebnis wurde über die Bordlautsprecher verkündet:
Das Schiff sei überladen, die Weiterfahrt nur möglich, wenn freiwillig 10 Menschen das Schiff verlassen würden!
Das muss man sich einmal vorstellen: 10 Leutchen bei dieser Menge! Welch eine Idee! Das Schiff hatte mittlerweile mindestens 200 Passagiere.
Ich glaube, ich habe noch nie im Leben so laut „hier!“ gerufen. Auf Deutsch natürlich.
Wenn du nun denkst, die Passagiere hätten jetzt massenhaft das Schiff verlassen, so hast du dich maßlos geirrt! Mit Ach und Krach ließ man uns gnädig durch und schlug sich danach um unsere Plätze.
Es kamen knapp 8 Leutchen zusammen, die bereit waren, die Fahrt auf Naxos abzubrechen.
Alle anderen riskierten lieber ihr Leben und sahen nur das Ziel Athen vor dem geistigen Auge flimmern.
Mittlerweile kamen dem Kapitän doch Zweifel ob seiner so klugen Entscheidung.
Die paar Passagiere weniger machten den Kohl nicht fettfreier – sprich das Boot nicht wirklich leichter.
Mutig entledigte er sich seiner schnieken weißen Uniform, wir beobachteten das Schauspiel direkt vom sicheren Anleger aus, etwas zitternd auf unseren Rucksäcken sitzend. Das sind die Momente, an denen man doch wieder zum Raucher werden könnte.
Er stieg aus seinem Cockpitfenster aus, nur mit seiner Unterhose bekleidet, sprang ins Hafenbecken und wagte einen Tauchgang, um den Tiefgang des Tragflügelbootes zu beurteilen. Wirklich war! Vor lauter Schreck vergaß ich sogar das Fotografieren! Eine besorgte Stewardess reichte ihm anschließend ein spärliches Handtuch.
Die Schieflage des Kahns schien ihn jedoch nicht zu beunruhigen, und so setzte das gesamte Himmelfahrtskommando seine schicksalhafte Fahrt fort. Mir kam mal wieder die oben erwähnte Schlagzeile in den Sinn, die sich jedoch Gott sei Dank nicht bewahrheiten sollte. Griechische Kapitäne wissen halt, was sie tun! Sie zählen zu den besten der Welt!
Nach mehrstündiger Wartezeit auf Naxos eröffnete man uns und den ebenfalls Wartenden, dass ein Ersatzboot der Flying Dolphins aus Rafina unterwegs sei, um uns abzuholen.
Und so fuhren wir dann – etliche Stunden später – in einem nicht einmal halb gefüllten Schiff im Highspeed-Tempo Richtung Rafina, erreichten den Flughafen per Bus im Morgengrauen.
Gerade noch lebend. Mein lieber Scholli.
Wie erklärst Du jemand, der Dich fragt, wie ein Kykladenurlaub funktioniert, wie ein Kykladenurlaub funktioniert?
Also, das ist ganz einfach. Es geht so:
Zunächst müssen wir einmal die Vorurteile ausräumen, dass Urlaub etwas mit Perfektion, Ästhetik, Gesundheit und gleichbleibend gutem Wetter zu tun hat.
Dann müssen wir abklopfen, in wieweit unser Proband die Begriffe Improvisation, Chaos, Fährplanänderungen, Sonnenbrand und wild karierte Bettwäsche akzeptieren würde.
Erst dann können wir langsam an die separate Papierentsorgung im WC denken. Ich würde sie jetzt aber noch nicht erwähnen, sondern eher auf den Vorteil des nicht zu heißen Duschens unter am Körper klebenden Duschvorhängen hinweisen, begleitet von nicht abfließendem Duschwasser, welches die Fußwäsche bedingungslos ersetzt – viel beschrieben aber immer noch aktuell.
Dafür bergen die oft fadenscheinigen Handtücher den Vorteil der Energieeinsparung, sie trocknen ratz fatz an der Sonne, eine Sonderzahlung zum CO2 Ausgleich kann entfallen!
Auf die jeweilige Küchenausstattung sollte man nicht so genau schauen. Die Schubladen beinhalten etliches, von dem selbst der Hausherr keine Kenntnis mehr hat.
Das anschließende Frühstück dient lediglich zur Vernichtung des alten Brotes vom Vorabend, welches ja die bettelnden Katzen unter dem Tavernentisch bereits lässig abgewunken haben.
In lauwarmen Nescafé gestippt ist es doch noch ein Gaumenschmeichler und schont den Zahn.
Blühende Landschaften, grüne Wälder, saftige Wiesen, auf denen die Schafe und Ziegen weiden, reifes Korn am Wegesrand im Einklang mit farbigen Sonnen- und Mohnblumen, sanfte hügelige Landschaften – all das haben die Kykladen nicht zu bieten.
Satt dessen heißt es: kraxeln durch die karge Landschaft bis das Knie schmerzt.
Der Verzicht von übersichtlichen Busfahrplänen und überhaupt Transfer- Informationen zu Land und zu Wasser sichert ein Hochmaß an körperlicher Bewegung und Kommunikation!
Denn wie könnte man schneller ins Gespräch kommen als mit dem Satz:
„Äh, wisst Ihr vielleicht wo hier…?“
Oder auch auf Griechisch „Pu ine…“ dabei am Ende das „parakaló“ nicht vergessen. Das macht einen guten Eindruck und der Gastgeber erkennt das Interesse an Land und Leuten.
Dass die Antwort mangels weiterer Griechischkenntnisse leider nicht wahrgenommen werden kann, verzeiht jeder Grieche gern. Er quittiert es mit einem Redeschwall, aus dem man allerhöchstens noch die Worte „Jermania? und „Daimler, Stuttgart“ heraushört.
Aber das omnipräsente Internet beschränkt diese Art der Kommunikation mehr und mehr, denn jede Gyrosbude ist beschrieben, jedes Bett, jeder Stuhl. Was sollte man noch Fragen?
Nur mit den Fahrplänen kommen wir so nicht weiter. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, als wäre ein giftzwergiger Mehdorn Chef über alle Fähren der Ägäis.
Doch das ist er nicht, es sind und bleiben Poseidon und Aeolos - und die Gewerkschaften, die die Entspannung predigen. Denn Streik ist ein gutes Mittel, um griechische Gelassenheit den hochnervösen Touristen beizubringen.
Haben wir uns am Ende des Urlaubs an die sich ständig wechselnden Wind- und Sonnenphasen gewöhnt, den obligatorischen Sonnenbrand endlich im Griff dank völlig preisüberzogener Sonnencreme - made in Germany – wissen wir endlich die Kykladen und ihre Menschen zu schätzen.
Nützt aber nix. Man muss ja wieder weg. Bis zum nächsten Mal, aber bis dahin hat man schon wieder alles vergessen.
Also alles wieder auf Anfang.
Thanks for your smile…
Was haben New York und Santorin gemeinsam?
Richtig! Beide üben auf alle Besucher eine enorme Faszination aus.
Ob man sie mag oder nicht, ob man will oder nicht. Es ist das Besondere, das „Hervorstehen aus der Masse“ "Standing out from the crowd", das Einmalige, einfach mit nichts zu vergleichen.
Man muss es erlebt haben, um mitreden zu können, um es zu verstehen. Die Anziehungskraft ist groß, aber die Vorbehalte auch.
Sie sind schon shocking, die Touristenmassen, Tagesausflügler von Kreta oder den Kreuzfahrtschiffen, die in Hundertschaften die Orte Fira und Oia durchstreifen und sich über die Souvenierläden hermachen.Wenn sie schon nicht länger bleiben können, wollen sie wenigstens die Erinnerung mitnehmen, in Form von kleinen Kykladenhäuschen, Herzen, Schneekugeln…
Es ist ein ganz bestimmter Geruch, den diese kleinen Läden auf der ganzen Welt ausströmen, und den ich immer wieder mit diesen Souveniers verbinde, ob sie die Wolkenkratzer von New York oder die Kykladen darstellen: ein Geruch aus Süße, Staub, Muff und Tabak, einfach unbeschreiblich.
Wenn ich auf der Insel bin, suche ich den Abstand, die kleine Nische, das Individuelle.
Leicht zu finden ist es auf Santorin nicht. Aber machbar, denke ich.
Zwei Lokale in der Nähe von Oia, im Örtchen Finikia, möchte ich hier als Beispiel nennen. Da ist zum einen die Taverne SANTORINI-MOU von Michalis Xionas, direkt an der Hauptstraße kurz vor Oia gelegen.
Man sitzt gemütlich unter Weinlaub, das Essen ist vorzüglich, preiswert, nur die nahe Straße ist ein wenig zu laut. Das wird durch den Wirt und seine Mannen aber wieder wett gemacht, denn zu vorgerückter Stunde zücken sie ihre Instrumente und beschallen die Gäste, je blonder und weiblicher umso lieber.
Man muss es mögen, aber wer Musik mag, der ist hier sicher richtig, sie sind allesamt gute Musiker, vom Kellner bis zum Koch.Und die Fangemeinde ist groß, wie das umfangreiche Gästebuch zeigt, in das man sich gerne eintragen darf.
Ein Stück weiter die Straße nach Finikia hinunter trifft man auf die Taverne KRINAKI, mein zweiter Tipp. Hier hat man schon wieder den Ausblick auf die andere Seite von Santorin, über die leicht abfallende Landschaft bis zum Meer.
Die ockerfarbene Kirche von Finikia mit ihrer Palme davor erweckt im Abendlicht geradezu orientalisches Flair, die Eingangstür zur Restaurant-Terrasse wirkt maurisch. Von der Terrasse aus schaut man dem Treiben im Dorf zu und genießt den Anti-Caldera-Blick.
Spezialitäten sind die zart gegarten Lamm- und Geflügelgerichte, aber auch eingelegten Kapern und das herzhafte Bifteki waren gelungen – zu günstigen Preisen, wie man sie auf Santorin selten findet.
„Thanks for your smile“ lautet der Wahlspruch in Michalis Taverne.
Aber gerne, bei diesen beiden fällt es mir leicht.
Bounatsa...
Es sind die lauen Abende und Nächte, an denen sich kein Windhauch regt, die Temperatur nur knapp unter die 30 Grad Marke fällt und das Meer wie eine spiegelglatte Fläche vor dir liegt.
Das sind die Momente, bei denen du denkst die Zeit bleibt stehen, fest getackert im Gehirn, Momente an die du dich immer wieder erinnern wirst, das ganze Jahr hindurch.
Der Geist wird träge und der Körper leicht, du spürst ihn kaum. Das kühle Bier, das dir ab und an über die Lippen fließt, gibt einen hervorragenden Kontrast zur angenehmen Wärme rundherum, die bis zum Morgen anhält.
Das ist die Zeit, die die Griechen „bounatsa“ nennen.
Flüssiges Gold...
Ich bin ein Fan von Jürgen.
Genauer gesagt von Wolf-Jürgen. Also ganz genau gesagt bin ich ein Fan von Wolf-Jürgens Olivenbäumen, denn Wolf-Jürgen kenne ich gar nicht persönlich.
Und um ganz genau zu sein: Ich bin ein Fan von dem Öl von Wolf-Jürgens Olivenbäumen.
Gestern ist es angekommen. Per Paketdienst, abgefüllt in 2 L-Plastikflaschen, die früher mal Limonade enthielten. Aber die schmeckt man nicht mehr durch. Ich fülle es sowieso um in leere Weinflaschen.
Seine kurze Notiz hatte ich damals im Internet-Forum gefunden:
„Olivenöl aus der Region Kalamata (Finikounda)
Ich bin gestern aus GR zurückgekommen und habe Olivenöl von meinem Grundstück in der Region Kalamata (Finikounda) mitgebracht. Das Öl ist bekannt wegen seiner sehr guten Qualität. Das gilt auch für die diesjährige Ernte. Da ich mehr Öl habe, als ich selbst verbrauchen kann, kann ich einige Liter zu einem sehr günstigen Preis abgeben. Falls Interesse besteht, bitte ich um eine kurze Nachricht.“
Man muss wissen, dass die Region Kalamata unter Kennern eine der besten Olivenregionen überhaupt ist, und schon lange beziehe ich mein Öl hierher, allerdings viel teurer von einem professionellen Ölproduzenten, aus dem Feinkostladen. Aber seit ich das Öl von Wolf-Jürgen bekomme, ist es viel besser – allererste Pressung – und sehr viel günstiger.
12 Liter, das muss für ein Jahr reichen, denn immer im Januar ist die neue Ernte gepresst, das Öl wird in der Dorfmühle in Finikounda gewonnen, wo Wolf-Jürgen sein Haus besitzt, die Olivenbäume gehören zum Garten. Die Pressung ist für Wolf-Jürgen ziemlich anstrengend, wie er mir schrieb. Nicht körperlich, sondern wegen des geselligen Umtrunks, der obligatorisch dabei stattfindet.
Und ein Bild von seinen Olivenbäumen hat er mir auch geschickt – siehe oben.
Schon ein tolles Gefühl, genau den Baum zu sehen, von dem das Olivenöl stammt.
Noch ist es etwas herb und sehr grün. Ein junges frisches Öl, das erst zur Ruhe kommen muss.
Aber im Laufe des Jahres wird es mit der Zeit immer milder, die Farbe ändert sich von Grün nach Goldgelb. Aufregend, einfach wie flüssiges Gold.
Wie sagte schon Mr. Getty:
"Um es im Leben zu etwas zu bringen, muß man früh aufstehen, bis in die Nacht arbeiten - und Öl finden."
Jean Paul Getty, 15.12.1892 - 05.06.1976 US Ölmagnat
Mein Haus, mein Boot, mein Pool...
Kimolos in den Abendstunden.
Wir schlendern die Straße nach Klima am Meer entlang, die Sonne streichelt sanft die Landschaft und der Himmel färbt das Wasser noch tief blau.
Abseits der Straße – an einer kleinen Bucht – legen wir eine Rast ein, ein idyllisches Plätzchen.
Ein Boot schaukelt sanft auf den Wellen, die griechische Fahne flattert im Wind.
Zum Baden ist die Bucht vielleicht nicht so geeignet, zu viele große Kieselsteine bilden den Untergrund. Wir machen es uns im Schatten einer Tamariske gemütlich, als plötzlich der Hausherr auftaucht.
Aha, gleich wird das Boot klargemacht, zum abendlichen Fischfang (denken wir).
Der ältere Herr entdeckt uns unter dem Baum, grüßt freundlich und schließt die Tür des Bootshauses auf, um kurz darauf darin zu verschwinden.
Heraus kommt er wieder fast nackt, nur mit einer unsäglichen hellblauen Unterhose bekleidet, ein Badehandtuch über der Schulter.
Er winkt uns nochmals freundlich zu, um dann gemütlich vom Anleger aus ins Wasser zu steigen und ein paar ruhige Züge rund um das Boot zu schwimmen. Bei seinem abendlichen Ritual lässt er sich von uns nicht stören.
Ja, so geht es auch mit einfachen Mitteln: Mein Haus, mein Boot, mein Pool - mein Esel.
Ein neues Jahr in Sichtweite…
Da ist sie wieder, diese Unruhe, die mich immer am Jahresende erfasst.
Die meisten Arbeiten sind erledigt, ich richte mich auf ein gemütliches Weihnachtsfest ein, das ganze Haus riecht jetzt schon nach Tannengrün und Lebkuchen.
Es ist nicht die Sorge, dass das nächste Jahr wohl etwas schwerer werden würde. Alle Wirtschaftsfachleute sind sich in diesem Punkt einig.
Es ist mein Kalender, ein altmodisches, in Leder gebundenes Buch, das mich jedes Jahr durch die Zeit begleitet.
Die Seiten sind noch leer, unberührt, makellos. Ein Spiegelbild meiner Zukunft, Ungewissheit soweit das Auge reicht.
Aber auch die Chance zum Glück. Denn ein Punkt steht schon fest:
Flug nach Athen - im Juni. Zeichen gesetzt. Gut, es ist noch weit bis dahin. Aber der Anfang ist gemacht.
Ein erster Termin im neuen Jahr. Und ein Ankerpunkt, der mich immer wieder beschäftigen wird.
Was ist es, was mich an diesem Land so fasziniert? Die Menschen, die Landschaft, das immer gute Wetter, das Meer?
Es ist die Sicht. Die ungetrübte Weitsicht über die Dinge. Und über das Meer.
Der weite Blick macht die Sinne frei, eröffnet neue Horizonte und macht Mut, gibt ein Gefühl von Freiheit, das ich hier nicht kenne.
Denn dieses bedeutet immer wieder die größte Herausforderung nach der Heimreise: der Blick wird begrenzt, das Auge hat keinen freien Lauf. Der Geist schließt sich an.
So bringt der erste Kalendereintrag einen Lichtblick für das neue Jahr.
Es werden noch weitere Termine folgen, Schritt für Schritt wird sich der Kalender wieder füllen, von Hand geschrieben, ein „Meisterwerk“ der Kalligraphie – ein griechisches Wort.
Hier geht es zum 2. Teil meiner Geschichten und Bilder Teil II