Eine Reise nach Skyros (Nördliche Sporaden) Juni 2009
Liebe macht blind...
Es war Liebe auf den ersten Blick. Jedenfalls von meiner Seite aus.
Ich sah sie zum ersten Mal im Flur des Hotels Attalos in Athen, es roch dort wie immer nach Herrensocken und Fußschweiß und dem ganz bestimmten griechischen Hotelmief.
Und wenn ich jemals bei „Wetten Dass...?“ auftreten sollte, dann mit dieser Aufgabe: „Erkennen Sie die Hotels der jeweiligen Länder am Geruch!“
Denn nichts ist prägnanter als zum Beispiel der Duft griechischer Hotels – oder nehmen wir den Duft von amerikanischen Hotels, egal wie viele Sterne sie haben. Sie riechen immer nach diesem penetranten Desinfektionsmittel, das die meist farbige Hausdame mit der Sprayflasche – wie mit einer pump gun - vor sich herstäubend in das Zimmer schießt und das im meterhohen Plüschteppich versinkt, bevor sie es selbst betritt. Und jedes Land hat seine eigene Hotelmarke, ein Hotel in Mexiko riecht einfach anders als eins in Kolumbien, Japan oder Ungarn.
Also Attalos: die beiden Aufzüge, die normalerweise wackeln wenn man sie nur betritt und bei denen man denkt, sie hängen lediglich an Gummibändern, waren Gott sein Dank außer Betrieb. So nahm ich die Treppe – und da sah ich sie, aufgereiht neben anderen Schönheiten an der Wand des Flures. Erst dachte ich, es handele sich um einen Fehler, denn ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass all diese Menschen, die mit mir im Airport von Athen gelandet waren, irgendwo anders hinwollten als auf die Kykladen.
Es geht um die Insel Skyros. Genauer gesagt um ein Poster mit einem Superfoto von Skyros-Stadt.
Bislang kannte ich nur die Kykladen, und daher meinte ich, es müsse unbedingt Syros heißen, das "k" war zuviel. Weiße Häuser schlängelten sich den Berg hinauf und zeigten dieses unverwechselbare Kykladenpanorama. Erst später bemerkte ich, dass Skyros ganz woanders liegt und eigentlich nichts mit den Kykladen zu tun hat – sondern mit den Nördlichen Sporaden.
Bei vielen meiner Athen-Aufenthalte sah ich sie wieder, sie verließ ihren Platz nie, auch nicht nach der überflüssigen Renovierung des Hotels zu den Olympischen Spielen. Jedoch zog es mich immer wieder auf die Kykladen.
Bis jetzt – dieses Jahr muss ich sie einfach sehen – live und in Farbe. Endlich ist es so weit. Jetzt bin ich unterwegs zu ihr!
Die Anreise nach Skyros
oder
Der schwarze Mann von Liosion und ein Busschaffner mit Dekolletee
1. Juni 2009 Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Jede auch noch so große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt“. Bei mir beginnt sie mit einem kleinen Dreh. Es ist der Dreh des Schlüssels in meiner Haustür. Danach bin ich weg, für eine Weile.
Die Fahrt mit dem Taxi um 4:30 Uhr zum Flughafen, das nervöse Warten ob der Flieger auch wirklich pünktlich ist, der knapp dreistündige Flug – all das ist nicht wirklich Reisen. Es ist eher ein transportiert werden, ich fühle mich wie Stückgut.
Ganz angenehm, wenn man dann auf dem Flug einen netten Sitznachbarn hat, mit dem man ein wenig plaudert, und der sich als Mitarbeiter der Fluggesellschaft herausstellt: „Eigentlich sitze ich vorne links!“ Aha, also ein Flugkapitän vermute ich. Mit seiner Jeans und der alten Lederjacke sieht er eher aus wie ein Taxifahrer.
„Ja, ja, Captain“ nickt er verlegen und flirtet mit seiner Kollegin, der Flugbegleiterin, die vor unseren Sitzen die Sicherheitsmaßnahmen vorführt und der er die Sauerstoffmaske versteckt, um sie zu necken. "Mitte bis Ende Mai ist die schönste Zeit für die Kykladen, dann ist die Luft noch klar und aus dem Cockpit liegt einem die Ägäis zu Füßen, so messerscharf wie die Landkarten bei Google-Earth. Aber genau an diesen Tagen hab ich natürlich meine Kamera nicht dabei!"
Wohin es denn ginge? Frage ich ihn. „Andíparos“ sagt er, mit weichem "d" und Betonung auf dem "í", per Blue Star. „Ich hab dort ein Häuschen von meinen Großeltern geerbt, ich muss da mal ein bisschen was im Garten machen, umgraben und so, in vier Tagen geht es zurück.“ Also griechische Wurzeln, hätte ich nicht vermutet, er spricht perfekt deutsch und ich vermute auch griechisch. Interessant, schon oft sind wir mit Germanwings geflogen, und haben uns gefreut, wenn der Flugkapitän Jannis Kalivós plötzlich seine Erklärungen auch in Griechisch abgab, das macht nicht jeder und es stimmte uns wunderbar auf den Urlaub ein.
Ja, er sei der einzige unter den Flugkapitänen bei Germanwings, der griechisch spricht. „Na bitte“, sag ich: „dann haben Sie uns schon ein paar Mal sicher und unterhaltsam nach Athen geflogen“. Das schmeichelt ihm und er entschwindet zu den Flugbegleitern, um dort eine extra Portion Kaffe für sich abzustauben. Dass wir ihn nach vier Wochen noch einmal auf dem Rückflug treffen sollten, hätte ich jetzt noch nicht gedacht.
Pünktlich landet der Flieger in Athen, und wir verlassen uns voll auf Edy aus dem in-greece.de Forum, der uns mit Informationen zur Anreise nach Skyros versorgt hat. (Danke, Edy!)
Vorsorglich fotografiere ich noch den Fahrplan des X93 Expressbusses, der uns zum Busbahnhof Liosion bringen soll, Fahrtzeit knapp eine Stunde. Und richtig, wie vermutet werden die einzelnen Stationen nicht angesagt. Anhand meines Fotos auf der kleinen Digicam verfolge ich die Stationen, an der siebten müssen wir raus. Hätten wir glatt übersehen. Auch die Haltestelle „Lision Intercity Bus Station“ ist unspektakulär und der Hinweis von Edy: „Bei der Werkstatt links die Straße rein“ war goldrichtig, hier liegt der Busbahnhof etwas versteckt.
Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie erinnert er mich an einen alten Transitbahnhof aus der DDR, karge Schalterhalle, gekachelte Wartehalle, uralte Abfahrtstafeln als Fahrpläne in Holz und Pappe geschnitzt. Die Tickets für den Bus nach Kymi, von wo die Fähre nach Skyros ablegen soll, erhalten wir für 13,50 Eur am Schalter nach „HALKIDA“.
Gut dreieinhalb Stunden Wartezeit liegen vor unserer dreistündigen Busfahrt, na ja, das hab ich ja gewusst. So vertreiben wir uns die Zeit mit Dösen und dem Beobachten der Wartenden.
Es ist vor allem die Landbevölkerung von Evia, die auf Busse zurück auf die Insel oder nach Larissa wartet. Viele ältere Menschen haben offensichtlich einen Ausflug nach Athen unternommen, Behördengänge gemacht, eingekauft.
Schon bald fällt uns ein Schwarzer auf, der mit seinem Korb die Wartenden anspricht und versucht, seine Sonnenbrillen und Armbanduhren and den Mann oder die Frau zu bringen. Das kennen wir sonst nur aus der Plaka. Da gibt’s nur eins: „Ochi!"
Und ich denke mal wieder, was für eine aussichtslose und armselige Existenzgrundlage dieser Mann doch hat, trotz seines improvisierten Verkaufstandes mitten im Warteraum. Seine Augen sind wach, jeder Neuankömmling wird beachtet. Offensichtlich hat er mehr zu bieten als Sonnenbrillen und Uhren.
Ein paar Gastarbeitern, offensichtlich keine Griechen (sie sprechen jedenfalls nicht griechisch), bietet er Schutzumschläge für Reisepässe an, gestylt als griechische Pässe. So könnten sie ihre bulgarischen oder albanischen Ausweise als griechische tarnen. Interessant. Sie greifen nach einigem Überlegen zu.
Die Griechen begegnen dem Verkäufer unerwartet freundlich, manche grüßen ihn per Handschlag, klopfen ihm auf die Schulter, kennen ihn. Eine ältere Dame probiert plötzlich eine Brille aus, eine Lesebrille. Sie prüft sie sofort, und ist begeistert, dass sie auf einmal wieder Zeitung lesen kann. 10 Euro, das geht. Da ziehen andere mit. Lesebrillen, wo gibt es die schon auf Skyros oder auf dem Lande? Und in die feinen Optikergeschäfte in Athen hätte man sich sowieso nicht getraut.
Des guten Gewissens zuliebe wird daher dem daheim gebliebenen Gatten noch eine schicke Armbanduhr mitgebracht, ebenfalls 10 Euro. Ausgleich muss sein. Auch die modernen fliegenaugenartigen Sonnenbrillen, die das halbe Gesicht verdecken, finden ihren Absatz, hauptsächlich von Älteren, die das Sonnenlicht nicht mehr so vertragen und kompletten Gesichtschutz benötigen.
Es ist ein bunter Gemischtwarenladen, den der Schwarze betreibt, und ich will gar nicht wissen, was er sonst noch in seinen Plastiktüten verbirgt. Sehe nur zufällig, dass er heimlich einem älteren Mann ein paar Pillen überreicht, keine Ahnung was das ist, der Alte ist jedenfalls happy und steckt sie schnell in die Hosentasche.
Offensichtlich ist der schwarze Verkäufer wohl zu einer Institution auf dem Liosion Busbahnhof geworden, eine wichtige Einkaufsmöglichkeit der reisenden Landbevölkerung.
So vergeht die Wartezeit relativ amüsant, und unser moderner Reisebus nach Skyros (Kymi), der auf der Anzeigetafel gar nicht existiert, wird beladen. Kisten, Kartons, Taschen, Koffer – eine Verladung wie bei den kleinen Fähren auf die Ostkykladen ist hier offenbar üblich. Klar: alle Einkäufe aus Athen müssen verstaut werden.
Pünktlich geht es los, der Bus ist fast voll, die Klimaanlage bläst wie Sau.
Drei Stunden Fahrt, mal sehen, ob das ohne Pinkeln geht, denn eine Toilette ist nicht an Bord.
Den Ticketkauf am Schalter hätten wir uns sparen können, denn der gewandte etwas korpulente Busschaffner macht die Runde und verkauft die Tickets auch während der Fahrt. Das ist bei der Gurkerei durch die Kurven nicht ganz leicht, und so rutscht ihm seine Hose fast bis in die Kniekehlen. Sein strammes Klempnerdekolletee wird sichtbar, er merkt es gar nicht und die Fahrgäste hinter ihm lachen sich halbschlapp. Na ja, mir ist es ein Foto wert.
Die Fahrt geht über die Brücke von Chalkida nach Evia, durch Dörfer und Landschaften, der Bus überquert die gesamte Insel. Eine Haltestelle gibt es nur in Chalkida, ansonsten lässt der Busfahrer einzelne Reisende verteilt in ihren kleinen Dörfern aussteigen. Welch ein Service! Pinkelpause brauchen wir nicht. Wir erreichen die andere Seite der Insel und wundern uns, wie nah hier an der Küste die Fischfarmen liegen, eine große Anzahl, vermutlich für Doraden und Wolfsbarsche, die wir in deutschen Großmärkten kaufen können.
Bald schon sehen wir unser Schiff, die Achilleas liegt schon bereit im Hafen von Kymi, der nicht sehr idyllisch daher kommt. Die Mole wird aufgerissen, Bauarbeiten.
Die Fähre ist größer und neuer als gedacht, überraschender Weise ein schönes Schiff, das wohl erst neulich renoviert wurde. Es gibt sogar einen Treppenlift für Gehbehinderte und einen gemütlichen Aufenthaltsraum, in dem wir viele Gesichter aus Liosion wieder sehen. Gut neunzig Minuten dauert die Fahrt, sie kostet nur neun Euro.
Der Himmel zieht sich zu, etwas Weltuntergangsstimmung macht sich breit, die vielen Unterhaltungsangebote von Skyros, die im Schaukasten neugierig machen, helfen da auch nicht.
Doch bald nähern wir uns Skyros, die Kirche Ágios Nikolaos vom Hafenort Linaríra kommt in Sicht, vom Café Kávos ertönt das schon erwartete Musikstück „Also sprach Zarathustra“ – eher peinlich als komisch. Die gesamte Mole ist auch hier eine Baustelle, als hätte ich es geahnt, nicht sehr gemütlich, nicht unser Ort für eine Unterkunft.
Touristen sitzen auf ihren Balkonlogen und beäugen neugierig die Neuankömmlinge, das übliche Gewusel bei der Fährankunft beginnt.
Mir sind generell diese kleinen Hafenorte zu laut und ungemütlich, wenn LKWs die Straßen verstopfen oder die Schiffe nachtsüber ihre Maschinen laufen lassen oder in der Früh ablegen.
Ich vermute, eine wirklich ruhige Unterkunft gibt es hier nicht.
Wir werden Linariá sicher noch besuchen, packen aber erstmal unsere Sachen und fahren nach Magaziá, es wird dunkel, Wir sind endlich am Ziel.
Skyros - Magaziá
Der Taxifahrer, der uns abholen soll, findet uns rasch in der Menge der Neuankömmlinge. Wir sind das einzige ausländische Touristenpaar, das die Fähre verlässt. Das griechische Pfingstfest steht vor der Tür, und so hatte ich vorsichtshalber doch noch eine Unterkunft vorgebucht, und das war gut so, denn es sollte auf Skyros voll werden. Amalia Paraskevas vom Perigiali in Magaziá hat uns das Taxi organisiert, der Fahrer hat noch ein paar Pappkartons aus der Fähre gefischt, auf unsere Koffer per Spanngummi geschnallt und ab geht die Fahrt.
Es ist in erster Linie ein Bauchgefühl, ob mir eine Insel gefällt, die ich zum ersten Mal betrete, oder ob Zweifel aufkommen. Bei Skyros ist das ganz klar: die Insel gefällt mir auf Anhieb. Schon bei der dreistündigen Busfahrt durch Euböa hatte ich Zweifel, ob ich die richtige Route für unsere Reise ausgesucht habe, nicht eine Haltestation lachte mich auf dieser Strecke an, auszusteigen.
Aber hier ist alles anders: eine hügelige Landschaft mit teilweise noch blühenden Wiesen liegt sanft im Abendlicht, von der einen Seite schimmert das Meer, während hoch oben am Berg der Hauptort mit seinen kykladisch wirkenden Häusern über allem thront.
Die knapp 10 Kilometer nach Magaziá sind für mich fast zu schnell durchrauscht und die Chefin erwartet uns bei hereinbrechender Dunkelheit in ihrer Pension. In einem schönen Garten gelegen finden wir ein ansprechendes Apartment – Ruhe pur. Doch was ist das? Direkt nebenan wird gebaut! Doch nicht etwa…?
Doch, doch! 16 neue Apartments soll die Anlage bekommen, in der nächsten Saison muss alles fertig sein. „Aber keine Sorge, Ihr seid unsere Gäste, solange wir Gäste haben, werden die Arbeiten gestoppt!“ Na dann Gute Nacht.
Pünktlich um halb acht am nächsten Morgen beginnt dann der Presslufthammer, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Dem außer uns noch anwesenden griechischen Paar mit ihrem Kind scheint das Geräusch beim Frühstück nicht zu stören. Die Familie ignoriert es ebenso wie unsere Anwesenheit. Da kommt bei mir doch wieder verstärkt die Frage nach der griechischen Mentalität hoch, anscheinend denkt der Grieche: was nicht sein soll wird einfach ignoriert.
Aber, was soll es. Morgen ist Freitag und der Ansturm der Athener Pfingsturlauber wird erwartet. Und richtig: über die gesamten Feiertage soll die Arbeit auf der Baustelle ruhen.
Wir machen uns auf den Weg und erkunden erst einmal die Umgebung. Mir scheint, wir haben den Standort gut gewählt.
Ein kilometerlanger Sandstrand, der bis zum Kap Pouriá reicht, und der mich unwillkürlich an den Agia Anna Strand von Naxos erinnert, zeigt seine blaue Flagge und beherrscht die Szenerie. Daran liegen einige kleine Hotels, wenige Tavernen und Cafés, etliche Privatunterkünfte.
Supermarkt – mit Brotverkauf -, Minimarkt für Getränke finden wir an der Hauptstraße nach Mólos, Keramik- und Künstlerateliers liegen versteckt in den Gassen. Wir machen es uns erst einmal in der Taverne Stefanos beim Wirt Costas mit einem Frappé gemütlich. Ja, hier lässt es sich aushalten, und diese Taverne werden wir sicher noch oft besuchen, bei diesem herrlichen Blick, direkt am Meer gelegen.
Ein Spaziergang den Strand entlang führt uns über Molos und dessen kleinen Hafen dann zum Kávos Pouriá. Der Wind wird heftiger, und die zur Taverne umgebaute Windmühle am Kap hat geschlossen, der Wind greift unter das Bambusdach der Terrasse, wirbelt es in die Höhe, der Wirt wird seine Freude haben, wenn er wiederkommt.
Da sind die drei Kapellen in der Gegend schon windsicherer gebaut. Wir haben Glück, die Felsenkapelle Ágios Nikolaos ist sogar geöffnet. Sie ist ein beliebtes Fotomotiv und auch der Blick von innen durch die Tür auf Skyros Stadt hat etwas.
Die äußere Form der Kirche ist schon bemerkenswert, offenbar war das gesamte Gelände früher ein Steinbruch, der Baumaterial für den Häuserbau hervor brachte. Das weiche Gestein wurde als Quader aus dem Gelände gesägt oder gehauen, vielleicht ließ man den Felsen mit der Kirche aus Dank stehen. Auch in der näheren Umgebung fallen die quaderartigen Gesteinsformationen auf.
Der Rückweg führt uns durch die die Besiedelung von Molos, auch hier vorbei an noch üppigem Grün. Ein Schilderwald am Wegesrand lässt uns erahnen, was hier im Hochsommer los sein wird, doch Anfang Juni ist alles noch sehr ruhig.
Viele Sommerhäuser werden jetzt erst fit gemacht, das Level geht von edlen Behausungen mit dezent-grauen Toren bis zu quietschbunten Kykladenhäusern, Kinder spielen auf dem Weg, grüßen freundlich.
Am Abend sind wir im Stefanos fast die einzigen Gäste. Der Wirt Costas verwöhnt uns mit etwas Käse (Saganaki), Wein und seinem unvergleichlichen Hühnchengericht, wir lassen es uns gut gehen.
Morgen wollen wir zu Fuß hinauf nach Skyros-Stadt. Der erste Tag auf Skyros, nicht schlecht, Herr Specht!
Skyros - Stadt (Chora)
Heute gibt es ein besonderes Ereignis. Über 300 Schüler aus Euböa werden auf der Insel erwartet, sie wollen die Insel und die Schüler hier kennen lernen.
Zur Ehre der kleinen Gäste werden sich die skyrotischen Schüler in Schale schmeißen, die alten Trachten anlegen und ein paar von den berühmten Skyros-Pferdchen vorführen.
Knapp 15 Minuten dauert der Fußweg hinauf von Magaziá zur Chora. Das ist für uns natürlich ideal, um Strand- und Stadtleben zu verbinden. Das Archäologische Museum liegt an unserem Weg, und so schauen wir hier kurz hinein, denn in Raum 3 ist ein altes skyrotisches Einraumhaus aufgebaut, das uns einen Einblick in die Inselarchitektur und die Atmosphäre der alten Häuser gibt. Auch heute noch sehen viele Wohnungen in der Chora ähnlich aus, wie man bei theopedia nachlesen kann: http://theo48.wordpress.com/die-inseln/skyros-1/
Der Blick von hier oben bis zum Kap Pouriá ist fantastisch.
Vorbei an Rupert Brookes Denkmal – keine Ahnung, warum die Griechen einem englischen Dichter ein Denkmal spendierten – schlendern wir die Hauptgasse entlang, passieren einige Geschäfte und Restaurants, wie das "Pappoús kí egó" ("Mein Großvater und ich" Wer das nicht kennt, hat Skyros verpennt!), das aber noch geschlossen hat, und stoßen auf das Geschäft mit den merkwürdigen Sandalen.
Manolis Karabins zeigt uns seine Handwerkskunst, er ist einer der letzten Schuhmacher, der dieses ausgefallene Schuhwerk in Handarbeit fertigt, seit Jahrzehnten versehen mit Sohlen aus Autoreifen. Und Manolis hat sie in jeder Größe, aber wirklich jeder!
Dass diese Schuhe auch noch bequem sind wird klar, als wir die Schüler in voller Tracht auf dem Schulhof bewundern können. Michalis, der Sohn unserer Vermieterin, führt sie uns vor. Trotz der Hitze tragen alle dicke Wolljacken und lange Hosen. Mit seinen Freunden hat er ein paar Skyros-Pferde organisiert, die kleinen Gäste werden sich freuen.
Zum Abend füllt sich das Städtchen zusehens, es ist viel belebter als zunächst angenommen, Cafés und Läden sind zahlreich vorhanden.
Wir schlendern durch die Gassen, machen es uns auf der Platia gemütlich, blicken hoch zum Kloster Agios Georgios Skyrianos um dem Kastro und schauen den Kindern beim Spielen zu. Solch rote Fußballschuhe müsste man haben! Bunte Kinderwelt!
Das Denkmal vom Ziegenhirten nebenan erinnert uns daran, dass schon zu Karneval hier auf Skyros einiges los sein wird. Dann, im Februar sollte man einmal herkommen! Der Karneval auf Skyros ist berühmt und einzigartig. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jetzt genießen wir lieber den Sommer, das gute Essen und freuen uns auf die Inselerkundung. Für morgen haben wir ein Auto bei Martina gemietet, knallrot (das Auto, nicht Martina).
Skyros - der Norden und der Süden Insel der Kontraste
Wir verlassen die so sanft anmutende Landschaft rund um Skyros Stadt nach Norden auf der gut ausgebauten Straße Richtung Flugplatz und sind überrascht, wie schnell sich das Bild ändert.
Die Landschaft wird zusehens karger, hügeliger. Leider darf ich hier nicht fotografieren, der in die Landschaft eingebettete Militärflugplatz mit seinen in den Hang hineingebauten Hangars hat schon etwas von James Bond. Er soll einer der größten Militärflughäfen Griechenlands sein.
Schon ein paar Kilometer weiter ändert sich die Vegetation komplett, jetzt beherrschen Pinien- oder Kiefernwälder die Szenerie. Sie reichen bis ans Meer und bei Ormos Agios Petros kommt so ein wenig Südfrankreichfeeling auf, wir verlassen das Auto für eine kleine Wanderung, der Piniengeruch steigt in die Nase.
Das Dorf Atsitsa ist unsere nächste Station. Obwohl "Dorf" ist vielleicht schon zuviel gesagt. Ein Hotel, ein paar Häuser, eine Fischtaverne, das war´s. Auffallend sind die Restsäulen der Erzverladestation, die bis ans Wasser reichen, das Sunset Cafe nutzt sie als Kulisse. Wir machen eine kleine Pause und entdecken erst jetzt gegenüber an der Straße das alte Natursteinhaus, die ehemalige Schule, in der jetzt ein alternatives Feriencenter untergebracht ist. Kurse wie Yoga, Malen, Meditation sollen hier - in englischer Sprache - angeboten werden.
Die Pinienwälder ziehen sich weiter die Küste entlang, bis zum Ormos Pefkos, einer ruhigen Bucht mit Taverne, an der man schon mal einen Tag verbummeln könnte.
Pünktlich zur Abendstimmung erreichen wir dann den Hafenort Linariá, die Achilleas liegt schon für die Abfahrt am Morgen bereit. Wir schlendern die kleine Hafenmeile entlang. Ein paar Tavernen, ein paar Läden, es gibt nicht viel zu sehen. Der obligatorische Greek Salad wartet schon auf uns, das Rad der Nacht beginnt sich zu drehen.
Am nächsten Morgen ist die Südhälfte von Skyros unser Ziel. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Haben wir gestern noch in den Pinienwäldern des Nordens Schatten gefunden, so gibt es hier im Südteil kaum Bäume und Sträucher. Strände wie Kalamitsa erscheinen uns steinig und kahl, die Straße führt weiter in unwegsames Gelände.
Da hilft es wenig, wenn einige Kreative versucht haben, die Wildnis mit bunten Bildern aufzupeppen. Irgendwie fehl am Platze. Die Landschaft ist derart dem Wind ausgesetzt, dass hier als ehrgeiziges Ziel ein Windpark errichtet werden soll, zum Entsetzen der Bevölkerung. Auch hierzu hat Theo weitere Informationen: http://theo48.wordpress.com/die-inseln/skyros-3-aiolos/
Dennoch hat auch diese Landschaft ihren Reiz, wenn nicht die abgezäunten militärischen Anlagen das Weiterkommen oftmals verhinderten.
So beschränken wir uns auf die Suche nach dem Grab des englischen Dichters Rupert Broke, dessen Denkmal wir ja schon in Skyros Stadt bewundert haben und das hier irgendwo in einem Olivenhain versteckt liegen soll. Mit ein wenig Glück finden wir es.
Unser Kontrastprogramm nähert sich langsam dem Ende, und ein grandioser Ausblick über die Nördlichen Sporaden ist auch für uns ein angemessener Abschied von dieser vielfältigen Insel.