„Ja, was soll ich da denn schreiben? Da war doch nichts los!“
„Denn schreib doch, dass da nichts los war.“
„Ehrlich?“
„Ja, wie schön leer das da war. Und ruhig.“
„Ich kann doch nicht schon wieder schreiben, dass Anna uns wie immer am Hafen abgeholt hat.“
„Doch.“
Also gut, Anna hat uns wie immer am Hafen abgeholt. Sie freute sich anscheinend wirklich, uns wieder zu sehen. Die – jetzt rotbemalte Skopelitis spuckte uns aus und dampfte Richtung Schinoussa weiter, Dimitri (Annas Sohn) schleppte die Waren an Land. Er war nach langer schwerer Krankheit wieder gesund – Gott sei Dank, Anna hatte ihn im letzten Jahr drei Monate lang in der Klinik in Athen betreut. Da wir direkt nach Pfingsten einliefen, hatte ich bei Anna schon mal vorreserviert. Pfingsten war alles voll, wie sie sagte.
Unser Zimmer war schön renoviert, die alten Fenster gegen neue ausgetauscht, das Haus frisch gestrichen, fast leer.
Nur schräg gegenüber wurde gebaut, die schöne Aussicht verschandelt, und Krach machten sie auch. Es ist überall das gleiche. Es wird gebaut und gebaut, obwohl viele Neubauten noch leer stehen und auf Käufer warten.
Wir schlendern durchs Dorf, machen unsere Einkäufe im Supermarkt bei Anna und in der Melissa bei Georgia, die sich auch immer wieder freut wenn sie bekannte Gesichter sieht, und uns sogar eine Fanta spendiert, und den Kids, die Tavli spielen, eine Tüte Chips gleich mit.
Es ist die angenehme Ruhe auf der Insel, die Leere, die so wohltuend ist. Wir schlendern zum Livadi Strand hinüber und steigen ein paar Klippen zum alten Kastro hoch. Von dort haben wir einen wunderschönen Überblick über den Strand und den gesamten Zeltplatz, der dahinter liegt. So in der Übersicht wirkt er doch größer als gedacht. Aber kein Zelt in Sicht. Auch am Livadi Strand nix los.
Die paar Touristen auf der Insel können wir an einer Hand abzählen, und das Ende Mai. In den Tavernen O Pevkos, Perigiali oder Syrma ist oft kein einziger Gast. Abends sehen wir sie alle im Maistrali. Niko hat die alte morsche Holzterrasse durch eine Steinterrasse ersetzt, die Rooms über der Taverne sind jetzt auch fertig. Die Küche ist wie immer gut und preiswert, eine Lizenz für den Kühlschrank habe ich dank Vasili ja inzwischen auch und die gesamte Szene besteht aus ein paar Franzosen und Italienern. Die zögerlichen Versuche bei Niko zur Abwechslung ins Internet zu gelangen, scheitern kläglich, der Cosmote-Stick findet keinen Empfang. Aber die Männchen machende Katze taucht nirgends auf.
So fließen die Tage ruhig dahin, wir laufen viel, versuchen den Papas zu erklimmen – was uns nur fast gelingt, da der Wanderweg von Dieter Graf beschrieben (Nr. 3) schon zu sehr zugewachsen ist. Die Besteigung geht wohl besser von Panagia aus auf dem Weg Nr. 1, der auf der Fotokopie ersichtlich ist, die Anna uns vor die Nase und Kamera hält. Leider ist es ihre letzte Kopie.
Trotzdem ist die Aussicht so knapp unter dem Gipfel lohnenswert und die Ruhe hier oben total.
Im Laufe der nächsten Tage wechselt das Publikum, man bleibt halt nicht länger als 3 bis 4 Tage auf so einer kleinen Insel. Die ersten Italiener kommen mit Sack und Pack, richten ihr frisch renoviertes Eigenheim für den Sommer ein, und auch die ersten skandinavischen Kleinfamilien prägen mehr und mehr das Bild am Livadi-Strand.
So suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen weiter außerhalb, die Spiliá-Bucht am Ende des Weges Nr. 8 ist hierfür besonders geeignet. Zwar ist der linke Teil der Bucht vom Wind und Wellen etwas zugemüllt, aber der rechte Teil ist robinsonhaft und wildromantisch.
Und auch die Felsenbucht, dort in der Nähe wo die drei Italienerinnen ihr Haus haben, eignet sich gut zum Schwimmen und Relaxen. Mittags sitzen wir unter dem Baum, schauen hinüber nach Naxos und Paros, und genießen die Ruhe.
Nee, was ist das (ent)spannend hier! Wirklich nichts los. Wie kann man das nur so lange aushalten? Bald geht es nach Amorgós!
(Mehr über Irakliá findet ihr unter den Geschichten Teil II.)