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 Bilder, Berichte und Geschichten von den Kykladen
 Teil IV




 Busfahren auf Sikinos

 Upgrade, Downgrade, Zerograde





Busfahren auf den Kykladen war schon immer etwas abenteuerlich.

Entweder weil man aus uralten Bussen heraus den Blick auf atem-beraubende Abgründe genießen konnte, oder weil man mit nagelneuen Bussen auf unsäglichen Pisten wie auf einem Kamelrücken schaukelnd
jedes kykladische Schlagloch erforschte.

Irgendwie kommt es so oder so auf dasselbe raus.

Auf Sikinos kommt noch der ungetrübte Blick durch die Windschutz-
scheibe des Busfahrers hinzu.






Wie dem auch sei, Sikinos ist bustechnisch voll erschlossen. Theoretisch ist es durchaus möglich, das gesamte Straßennetz per Bus abzuklappern und so alle möglichen touristischen Highlights in Angriff zu nehmen. 

Nur nicht für jeden.
Und nicht immer.
Und schon gar nicht nach Plan.

Was beim Betreten der Insel blank geputzt in Wartestellung steht,
stellt sich im Laufe des Aufenthalts doch als etwas weniger glänzend heraus. 

Wer übrigens bei der Ankunft auf Sikinos den schnurrbärtigen Tasos
sucht (der mit dem komischen Turban aus dem MM Reiseführer),
es gibt ihn tatsächlich. Etwas älter geworden, aber er steht am Anleger, bietet die Unterkünfte "Galini" an.






























Dem Rat von einigen Griechenlandfreaks und Fähr(t)ensuchern folgend quartieren wir uns strategisch günstig bei Flora ein. Etwas höher und  etwas außerhalb vom Hafenort Alopronia îm Ortsteil Pyrgari gelegen
haben wir so jeden Morgen den freien Blick auf unser Kätzchen, das
schon mit den Hufen scharrend auf seine Käseration wartet, und
natürlich auch auf die Inselstraße, die Alopronia mit Chora verbindet.















Die Tankstelle ist ein bunter Klecks in diesem Bild, und auch der Blick weit über den Ortstrand und den Schiffsanleger ist zwar nicht atemberaubend aber zufällig nun mal da.

So gewöhnen wir uns daran, dass wir schon morgens den Busfahrplan kontrollieren (wo bleibt er nur? Ist doch schon 10:15 durch!) und sehen mit Erstaunen, dass selten überhaupt irgendjemand außer dem Busfahrer drinnen sitzt.






Macht ja nichts, solange er den Fahrplan einhält. Und so entschließen
wir uns eines Tages, einen Ausflug zum Ag. Georgios Strand zu machen.
Der geplante Aufenthalt dort von ca. 2 Stunden ist zwar nicht lang,
aber besser als nichts. Natürlich sind wir die einzigen Fahrgäste.
Welch ein Upgrade, zu zweit in einer 10 m langen Strechlimo exklusiv
zum Strand gefahren zu werden! Ohne Zwischenstopp und ohne Schnickschnack. Und alles für 3,20 pro Nase (hin- und zurück).
Nur der Bordservice lässt zu wünschen übrig.






Und auch die Aufenthaltsdauer ist nicht so ganz nach Plan, schon
nach einer Stunde will er uns wieder abholen. Protestieren zwecklos.

Dafür genießen wir den menschenleeren Ag. Georgios Strand samt
Kapelle und geschlossener Taverne bei bestem Wetter.











Ein Bus-Downgrade erwartet uns aber bei der nächsten Fahrt.

Schon am Vorabend merken wir besorgt, dass der Bus am Abend wohl 
nach Chora hinauffährt, aber kein Bus mehr herunter kommt.
Er wird doch nicht...???

So erkundigen wir uns vorsorglich im Supermarkt bei Vasili (dem Sohn von Flora), ob denn der Busfahrplan noch stimme, es wäre ja gestern Abend gar kein Bus mehr gekommen. "Nicht gekommen? Doch, doch,
der kommt immer."

"Ja, aber wir haben ihn vom Balkon aus nicht gesehen".

"Nicht gesehen? Doch, doch. Ach so. Der Bus ist abends jetzt der hier." und zeigt auf den alten halbverrosteten roten Golf, der vor dem Supermarkt parkt.






Ach so, wenn Ende September die Anzahl der Fahrgäste drastisch sinkt, fährt der Busfahrer lieber mit dem Kleinwagen zum Hafen hinunter.
Na, wer das nicht weiß, der kann oben in Chora lange auf den Bus warten und durch die abendlichen Gassen streifen.



























Wir probieren es aus, unser Downgrade, und siehe da, es klappt.
Pünktlich um 20:00 Uhr steigt der Busfahrer in seinen Polo und wir
scheuen uns nicht, uns dazu zu drängeln, brav die 6,40 als Fahrgeld
bereit zu halten. Obwohl, die 2 x drei Kilometer per Polo-Taxi für 6,40 Euro? Das sind ja schon mitteleuropäische Preise! 

Aber so haben wir hautnah die Möglichkeit, unsere nächste Fahrt -
to Winery -  vorzubuchen, bzw. zu fragen, ob er denn morgen
wirklich fährt.

"Ja, ja, aber nicht um viertel vor sieben, sondern um sieben,
oben von Chora. Ich warte dann eine halbe Stunde bei der Winery und bringe euch dann wieder zurück."

Gut, das ist ein Wort. Er sprach es immer Winnery mit kurzem "i" aus,
als ob es dort etwas zu gewinnen gäbe. 

Abermals streifen wir am nächste Tag abends durch Chorio und Kastro, und zweifeln allmählich, ob es bei einbrechender Dunkelheit für den Busfahrer überhaupt noch lohnt, zur Winery und zum Episkopi zu fahren. 
Das muss er sich auch gedacht haben, denn zur verabredeten Zeit taucht weder ein Bus noch ein roter verrosteter Polo auf. Und wir warten und warten und warten.


















Langsam wird es uns zu dumm und so machen wir uns zu Fuß auf den Weg, die Straße nach Alopronia hinunter, solange es noch einigermaßen hell ist. Offenbar hatten wir bei der Winnery nichts verloren.






Ein echtes Bus-Zerograding.

Natürlich kommt uns unten bei völliger Dunkelheit der 20:00 Uhr Bus entgegen, der Busfahrer winkt freundlich, wir winken mit der Faust in der Tasche zurück und freuen uns auf ein leckeres Essen bei Lucas. Aber der beendet heute schon am 27. September die Saison, macht das Restaurant dicht. Die Öffnungszeit auf dem Tavernenschild ist wohl nur ein Aprilscherz, oder für seine Roomsvermietung gedacht.









Und so widmen wir uns einem leckeren Schweinerollbraten im Meltemi.
Tja, man sollte nicht alles glauben, was in Sikinos als Aushang geschrieben steht. Dem kostenlosen Taxitransfer zur Winery, den der Besitzer anbietet, vertrauen wir schon mal gar nicht, zumindest nicht im Oktober.









Morgen gehen wir aus Protest direkt zu Fuß zum Dialiskari Strand mit
seiner Ag. Nikolaos Kapelle, und übermorgen auch noch zur Panagia Sykia hoch. Ätsch, alles ohne Bus.
Der kann dann völlig leer wieder rauf und runter juckeln, sooft er will.



























Und irgendwie gefällt uns Sikinos zu Fuß viel besser.
Winnery und Episkopi müssen halt auf uns bis zum nächsten Besuch warten. Und der kommt bestimmt, auch ohne Busfahrplan.











Die wilden Quadfahrer von Serifos...





 Natürlich ist Serifos eine eher ruhige Insel.






Und natürlich ist Serifos auf den Tourismus angewiesen, wie eigentlich
alle Kykladeninseln. So wird auch hier gerne jeder Segen angenommen,
den der Tourismus bietet. Aber nicht von jedem. Und nicht überall.

Ein Beispiel sind die bei den Touristen so allseits beliebten Quads.
Sie bieten mit ihrer imposanten Bereifung den Vorteil der Standfestigkeit bei Null Fahrpraxis, Frischluft pur und jugendliches Image - bei geringen Unterhaltskosten.

Während sie andernorts wie auf Paros oder Naxos die Straßen und die Touristen erobert haben, findet man sie auf Serifos nur sehr vereinzelt.
Der Grund ist folgender:

Seitdem eine gewisse Gruppe von Senioren erkannt hat, dass Quads eigentlich die gleichen Vorteile bieten wie elektrische Rollstühle, aber
ein wesentlich jüngeres Image vermitteln, nutzt man sie gerne als Seniorenmobile, auf die man auch mal die Oma hinten draufpacken kann. Und ab geht es zum Einkauf oder zum Verwandtenbesuch. Warum auch nicht? Das spart die Kosten für ein Auto und ist längst nicht so störrisch wie ein Esel, geschweige denn wie ein Motorrad.

Was allerdings zur Folge hat, dass junge Menschen auf Serifos diese
Quads eher meiden und auf die herkömmlichen Motorräder und Autos zurückgreifen.
























Also, mir gefallen die Esel eindeutig besser.
Aber wer weiß, vielleicht steht das Quad schneller als man denkt
vor der eigenen Tür.








 Ich liebe sie...





...nicht wirklich, diese Pullman-Sitze auf der Blue Star Naxos.

Eigentlich sind es ja "Air Seats", aber sie haben weder etwas mit Luft
noch mit Flugzeugen gemeinsam. 

Lange habe ich gebraucht, um den idealen Sitz und Platz herauszufinden,
denn früher saßen wir gerne draußen an Deck der alten langsamen Fähren, genossen die frische Luft und den weiten Blick.
Heute jedoch ist der Außenbereich der großen Pötte nicht mehr so attraktiv, eher ungemütlich zweckmäßig und oft nicht windgeschützt,
so dass man sich gerne mal nach Drinnen verzieht.




Es handelt sich um die Sitze Nr. 581 und Nr. 582 im oberen Teil des Schiffes. Nicht ganz leicht zu finden, die Eingangstür dieses Bereichs gleicht eher dem Zugang zum Maschinenraum, es verirrt sich selten jemand hierher. Außer vielleicht Reisegruppen, die aus Versehen Sitze hier gebucht haben. Meistens sind es Amerikaner oder Australier älteren Datums, gut ausgerüstet mit farbigen Anoraks, die Damen in Rot
(vormals Rosé), die Herren in Dunkelblau. Mit Wertsachen-Gürtel gewappnet, Jogging-Hosen und Trecking-Sandalen. Dann versinken wir
ganz tief in unseren Air Seats und stellen uns schlafend. 

Im schlimmsten Fall halten sie uns ihre Buchungsnummer mit der 581 oder 582 unter die Nase. Dann versuche ich umständlich zu erklären, dass der Sitz Nr. 582 natürlich der Sitz vor uns ist, weil die Nummer ist ja an seiner Lehne dran. Dann haben wir sie vor der Nase und können sitzen bleiben. Denn gebucht haben wir einen Sitz leider nicht, die paar Euro kann man sich sparen, in der Vorsaison ist der Saal meistens leer und die Besatzung toleriert die falschen Schläfer.




Allerdings muss es doch Nr.581 und 582 sein. Denn nur sie sind geräuschgeschützt - befinden sich weit entfernt genug vom ewig flimmernden Fernseher, und auch von den vibrierenden sich langsam lösenden Deckenpaneelen, die einem den Schlaf rauben, wenn die BlueStar Fahrt aufnimmt. Außerdem liegen sie sich im einzigen Bereich, wo die Klimaanlage nicht so saukalt bläst. Und sie bieten den etwas getrübten Blick nach draußen.

So können wir wunderbar beobachten, welche Schiffe vorbeiziehen, und wie das Außendeck vor unserem Bullauge langsam verdreckt.




Aber auch die vereinzelten Mitreisenden bieten Programm, wie etwa das japanische Paar vor uns, das seine Urlaubsfotos am Laptop sichtet, ohne zu bemerken, dass man von hinten zwischen den Sitzen auf den Screen linst und zwangsläufig einen wunderbaren Blick auf delikate Ausschnitte hat. 

Von Vieltelefonierern rede ich im Moment lieber nicht.

Bei Zwischenstopps vertreten wir uns die Beine und schauen gerne mal nach unserem Gepäck, das auf dem Autodeck deponiert ist und das ja immer der Gefahr unterliegt, versehentlich von einer Reisegruppe en Block mit von Bord genommen zu werden oder auch mal von einem ausfahrenden LKW oder Bus touchiert zu werden. Alles schon erlebt, Holzauge sei wachsam.




So verinnt die Zeit wie im Flugzeugsitz, wir dämmern so vor uns hin, bis wir von der hochinteressanten Information aus den Lautsprechern wieder aufgeschreckt werden, die gleich mehrsprachig darauf hinweist, dass das
Self-Service-Bordrestaurant für unglaubliche weitere fünfzehn Minuten geöffnet ist. Wow. Welch eine Nachricht!

Na dann freuen wir uns um so mehr auf die Weiterfahrt mit der Express Scopelitis - auch ohne Bordrestaurant und Lautsprecherdurchsagen.

Und - on Air Seat.






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