Salina - Lipari - Vulcano - Catania

April 2019


Stromboli und Vulcano, die beiden Filme aus den 1950er Jahren mit Ingrid Bergmann und Anna Magnani hast du im Hinterkopf bei deiner Anreise zu den Äolischen Inseln, eine offenbar raue Gegend, irgendwelche schwarz-weiß Bilder von unverputzten Häusern und von Frauen in langen Röcken gehen dir nicht aus dem Kopf, und irgendwie auch schlechtes Wetter, aber das soll sich nur in den ersten drei Tagen so ergeben.



Die Anreise ist problemlos, die Autofahrt vom Flughafen Catania am Ätna vorbei zum Fährhafen Milazzo länger als gedacht, bei freier Strecke doch mehr als eineinhalb Stunden, die geplante Fähre nach Salina ist schon weg, kein Problem, sie fährt stündlich, dann eben etwas später. Wie auch in Griechenland sollte man hier Fähren nicht allzu früh vorbuchen. Als Erstes die Insel Salina, hier wurde kein Stromboli und kein Vulcano gedreht, aber „il postino – Der Postmann“, die Geschichte eines Briefträgers, der sich Rat bei Pablo Neruda holt, genauso bekannt bei Cineasten, nur etwas später gedreht.




Salina wirkt verschlafen, aber nicht ruhig, sondern laut, überall wird gebaut, gehämmert, geflext, gestrichen. Anfang April musst du damit rechnen, Ostern steht vor der Tür und etliche Feriengäste wohl dann auch. Das gebuchte Zimmer ist schön, das Nachbarhaus nicht, es wird gerade kernsaniert, laut und deutlich, von morgens 8 bis abends 18 Uhr. Das wird bis Ostern nicht fertig werden, denkst du, die Gäste werden ihren Spaß haben, genau wie du.

Salina - Santa Marina



Frühstück im Hotel gibt es nicht, Frühstück erst ab 15. April, solange kannst du nicht warten, dann bist du schon wieder weg, also Gang durch den Ort Santa Marina, um einzukaufen, ein netter Flecken mit zwei Minimärkten (Alimentari), Bäcker, BOUTIQUE della CARNE, Pescheria, vielleicht vier Restaurants, Pizza nur am Wochenende, Apotheke, Autovermieter, alles da. Und die Menschen sind sehr freundlich.


Viel Englisch wird hier leider nicht gesprochen, dafür mehr Italienisch, oh Wunder, und du dachtest, das wäre einfach zu verstehen, weil beim Italiener zu Hause verstehst du ja auch alles, weit gefehlt, da geht die Verständigung in Griechenland schon viel besser.




1  

Drei Tage Zeit, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, ganz so klein ist die Insel nicht, neben dem Hafenort Santa Marina noch die Küstensiedlung Lingua, dann Malfa, Pollara (der Drehort des „il postino“), zwischen den beiden Vulkanen durch Valdichiesa zu den Orten Leni und Rinella, das wie ein Piratennest als zweiter Fährhafen fungiert.
  

Die Kegel der beiden Vulkane Monte Fossa delle Felci und Monte dei Porri hängen in den Wolken, so läufst du erstmal die Küste entlang bis Lingua, einem fast ausgestorbenen Nest, jedenfalls Anfang April.

Salina - nach Lingua


1  


1  


1  

Touristische Kapazitäten gibt es hier reichlich, und du erinnerst dich an alte Zeiten auf den kleinen Kykladen, wo du die Anzahl der vorhandenen Touristen an einer Hand abzählen konntest. Nur war das damals im Juni, jetzt hier Anfang April, und auch im Juni wird es hier wohl voll werden.

 

Der Ort Malfa macht da schon einen belebteren Eindruck.

Unter sprachlichen Schwierigkeiten hast du dir ein Auto gemietet, einen Fiat 500 für einen Tag, für stolze 50 Euro, 10 Euro hast du schon herunter gehandelt, mit Händen und Füßen, er hätte 60 € kosten sollen.

Malfa ist sympathisch, nicht nur eine Streusiedlung, wie du dachtest, sondern hat einen richtiger Ortskern mit Schule, Kirche, Restaurants, Läden. Überall wachsen die weißen Schwertlilien am Straßenrand, die Vegetation ist üppig, die Malvasia-Weintrauben und die Kapern sind noch nicht zu erahnen.

Salina - Malfa


Hoch über Pollara thront der ehemalige Marineaussichtsturm, heute verlassen und verwunschen wie ein Märchenschloss. Nach ein paar Serpentinen bist du unten in Pollara, an einer schroffen Steilküste gelegen, dem Drehort. Die beiden Hauptdarsteller Philippe Noiret und Massimo Troisi sitzen – zwar nur malerisch – auch heute noch auf der Bank vor der Kirche im Gespräch vertieft.

Salina - Pollara


In Leni kaufst du Kapern, die gesalzenen, hier werden sie angebaut, sie werden gerne nach Deutschland exportiert, du findest den Kapernbauern nur mit Mühe, ein einheimischer Junge zeigt die Adresse von D´Ámico, zu einem der großen Exporteure der begehrten Capperi und des Malvasia Weins von Salina.  

Du landest quasi im Lager, das aussieht wie eine Kellerküche, der Junior ist zufällig da, Glück gehabt, ein paar Kartons mit Kapern gibt es auch, und eine Preisliste. Die ganz kleinen sind die besten, da greifst du zu.

Salina - Leni




Von hier oben schaust du herunter auf Rinella unten am Meer. Ein paar Fischerboote liegen auf dem schwarzen Lavastrand, im Sommer wohl einer der beliebtesten Strände der Insel, man ist ja genügsam. Die Fähre aus Lipari kommt gerade herein, ein bis zwei Passagiere, dann wieder tote Hose. Und überall diese Zitronenbäume, und diese Blumen. Salina ist schon schön. Nur keine Sonne.

Salina - Rinella


Also weiter nach Lipari, und das Wetter wird endlich besser Lipari kennst du ja schon, vom letzen Besuch. Alles wie gewohnt, das quirlige Städtchen, die freundlichen Obstverkäufer, die üppigen Aperitivo, da können die griechischen Mezedes kaum mithalten.

Lipari


Am alten Hafen, der Marina Corta ist immer Betrieb, noch bleiben die Touristenmassen aus.

Im Pescecane, Filippino und Kasbah gefällt dir das Essen ausgesprochen gut. Und bei der Inselumrundung genießt du einmal mehr diesen unvergleichlichen Blick von der Chiesa Veccia di Quattropani auf Salina, von wo du gerade aus dem Regen gekommen bist, und die nun im Sonnenlicht glänzt.




Vulcano muss jetzt also sein, die Insel liegt so dicht an Lipari wie Köln an Bonn – oder Schinoussa an Iraklia. Ganz wie man will. Das Wetter ist besser, die Laune auch, du wunderst dich etwas über den Schwefelgestank beim Anlegen. Ein paar Schritte nur zur Schwefelpfütze, in der sich mehrere Schulklassen suhlen. Offenbar ist Schulausflugszeit der Vorabiturienten in Italien und Frankreich. Eine Gruppe deutscher Wanderer schaut sich das Schauspiel gerne an.

Vulcano


1  

Dann geht es auf den Grand Cratère des Vulkans. Eintritt brauchst du im April hier nicht zu zahlen, obwohl, bei den hunderten von Schülern, die dir entgegen kommen hätte es sich für die Gemeinde schon gelohnt. In gut einer Stunde erklimmst du den Berg, der mit seinen Fumarolen spektakulär seine schwefeligen Gase entlässt. Du kannst dir nicht verkneifen, eine kurze SMS nach Herrenberg zu schicken, und versinkst in einen Fotorausch. Das Wetter spielt mit, die übrigen Wanderer auch, rotes T-Shirt, grünes T-Shirt, besser würdest du die Komparsen auch nicht ausstatten.

 

Und einer wagt es sogar, in den Krater hinabzusteigen, was streng verboten ist. Aber wahrscheinlich ist bei ihm noch ein instagram-Foto von Nöten. Und wenn du meinst, Vulcano besteht nur aus dem Vulkan und dem Grand Cratère, hast du dich gegirrt, auf dem Rückweg steigen aus der Fähre, die in Vulcano anlegt, etliche Jugendliche aus, schwenken triumphal einen Pokal, den sie irgendwo außerhalb wohl gewonnen haben, wahrscheinlich nicht wegen einer Vulkanbesteigung, und feiern mit ihren Familien die Rückkehr auf die wohl doch bewohnte Insel.






Zum Schluss Catania, der Flieger geht zu früh, um ihn von den Inseln morgens noch rechtzeitig zu erreichen, daher ein Zimmer nahe am Airport. Ein Abstecher mit dem Ali-Bus in die City  muss sein. Elefantenbrunnen, Piazza del Duomo, Collegiata. Musst du gesehen haben, sonst wärst du nicht dort gewesen. Was dir auffällt: die breiten Straßen zum Flanieren, wieder viele Schulklassen, ausgelassene Stimmung. Ein Geheimtipp: die Trattoria „di De Fiore“ oder jetzt „Nuova Trattoria del Forestiero“. Rosanna kocht persönlich, alles echt italienisch, nur komisch, außer Franzosen und Deutschen keine Gäste. Aber lecker und preiswert. Catania zum Schluss, eine wertvolle Erfahrung mehr.

Catania



Ja, Reisen ist das Kapital der Seele. 


Meine Salina Vulcano Catania - Fotos auf Google


Hier geht es nach Lipari - Die Spuren der Griechen