Verlorene Zeit auf Patmos...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe es gewusst. Es wird mal wieder eine endlose Warterei.
Wir haben weder Auto noch Roller gemietet und laufen me ta podia die ganze Insel ab. Rauf und runter, kreuz und quer.

Oder wir warten auf den Bus, der dreimal am Tag fährt.

Von Livadi Geranou ist es zu Fuß nicht weit nach Kampos-Beach, dann den Berg die Straße hinauf, schon sind wir da.

Wann soll der Bus fahren? Eftá! Und was ist es jetzt? Nicht mal pénde! Also mehr als zwei Stunden Wartezeit. Ein Blick auf mein Kameradisplay bestätigt es. Mittlerweile fotografiere ich nach der Ankunft auf den Inseln die Busfahrpläne ab, so hab ich sie immer parat.

Der Ort Kampos zeigt sich um Fünf in gutem Licht, nur leider ist kein Fotomotiv weit und breit zu sehen. Die Katzen langweilen sich auf der Straße, beanspruchen das Terrain für sich.

Verkehr: Fehlanzeige.

Zwei Tavernen an der Straße. In der linken ist ein Tisch besetzt,
zu voll. Wir nehmen die rechte.

Ist auch besser so, es scheint die alte Ortstaverne zu sein,
die Außenmauern sind fast meterdick.

Der Wirt und eine Frau sitzen vor der Tür, sonst kein Mensch.
Neugierig werden wir beäugt, der Wirt bringt uns die Getränke,
Dose Cola, Dose Fanta.
Dann fragt er doch: „Bus?“ „ne“ „eftá hora“. Ja, weiß ich ja.

Ein Auto fährt vor, ein Smart, lädt die Frau ein und rauscht Richtung Skala ab. Kein Platz für uns im Auto.

War wohl doch nicht die Wirtin.
Ich ziehe meine Postkarten raus, fange an zu schreiben.

 

 

Lange bleiben wir mit dem Wirt nicht allein, ein Grieche setzt sich neben ihn, bestellt Ouzo Meze.

Er verlängert ihn mit Wasser, der Ouzo wird milchig trüb.
Den Meze-Teller mit Tomaten und Gurkenstückchen rührt er nicht an.

Wir wollen die Zeit zu einem kleinen Einkauf nutzen, Apfelsinen zum Frühstück wären schön.

„Parakaló, pou ine Supermarket?“ Hundert Meter die Straße runter, wir laufen los, haben aber keinen Erfolg. Kein Obst und Gemüse da. Nur das Notwendigste für die Kampos-Bewohner.

Erstaunter Blick bei der Rückkehr in unserer Taverne. Nicht gefunden? Doch,doch, nur keine Portokali. „Ah, Portokali mono stin Skala.“ Na klar, warum auch nicht. Hätten ja auch so schlau sein können, ihm vorher zu sagen, was wir kaufen wollen. So guckt er jedenfalls. Hier bleibt nichts verborgen.

Eine alte Dame kommt aus der Küche geschlurft,
schwarze Kleidung, weiße Schürze. Die Füße stecken in Badschlappen, am Schienbein klebt ein Mullverband, der in der Mitte vom Blut schon ganz durch gesuppt ist. Das Stück Mull klebt praktisch mit dem Blut am offenen Bein. Ja, ja, die Beine! Was soll man machen? Der Arzt ist weit weg. Der Grieche packt aus seiner Tasche ein kleines Heftpflaster, hat er wohl immer dabei. Legt es der alten Frau auf den Tisch.
Als ob das was helfen würde, bei der großen Wunde.
Die Cola ist längst ausgetrunken, die Gläser leer. Abgeräumt wird nicht nach guter alter griechischer Sitte.
 

 

Ein junges Mädchen kommt vorbei, nennen wir sie Irini, setzt sich etwas abseits. Nein, trinken will sie nichts, wird auch nicht danach gefragt. Wartet nur auch auf den Bus.

 
Und zuppelt an ihren Haaren. Ja, sie hat sich richtig schick gemacht, ist ja auch Freitag. Oder doch Samstag?

Die Frisur sitzt perfekt, die Haare geglättet und gestylt.
Saturday-Night-Fever, da hat sie in ihr Styling schon viel Zeit investiert, sorgfältig geplant.

Plötzlich kommt ein Moped angeknattert,„Kalispera“, eine Bekannte von Irini auf dem Weg nach Skala.

Komm, steig hinten drauf, ich nehm dich mit.

Nein lass mal, ich warte auf den Bus.

Irini zuppelt sich wieder an den Haaren. Jetzt mit dem Moped im Fahrtwind, und die ganze Frisur wäre hin!

Komm, die Ein Euro Fuffzig für den Bus kannste dir doch sparen!
Nee, lass mal.

Nun sei mal kein Frosch.

Irini ist in Bedrängnis. Freundin vergraulen oder Frisur versauen. Es siegt die Freundin, Irini steigt hinten drauf und die beiden rauschen ab, die Haare flattern im Wind.

Der Bus von Skala läuft ein, viel zu früh. Ich muss noch rasch bezahlen, wir dürfen ihn nicht verpassen.

„Sigá, sigá“. Er fährt erst noch nach Kompos-Beach und wendet dort.

Ach so, na, dann haben wir ja noch jede Menge Zeit.

Getränke bezahlt, das Geld einfach auf den Tisch gelegt,

drei Euro zusammen.

Und wieder Ruhe.
Fast zwanzig Minuten dauert es noch, bis der Bus wieder da ist.
Zwanzig Minuten einfach nur Ruhe.

Dasitzen, schauen was läuft (und es läuft nicht viel),

einfach da sein, in Gesellschaft.

 

  

Der Bus kehrt zurück, wir steigen ein, es wird noch mal gewunken, dann sind wir weg.

In den nächsten Tagen laufen wir wieder an der Taverne in Kampos vorbei, der Wirt winkt uns zu, wir sind ja inzwischen auch schon alte Bekannte.

 

 

 

 

 

 

Exkurs Patmos