Der Figaro von Sifnos    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Wintertag in Paris, es regnet, naß und kalt, die

Metro ist überfüllt wie immer, es riecht so typisch nach

den heiß gelaufenen Gummireifen der alten Metrowagons,

die Stimmung ist auf dem Nullpunkt – trotz Wochenendtrip.

 

Plötzlich ein Lichtblick: Das Großformatposter der Marienkirche Panagia Chrissopigi auf Sifnos – als Griechenlandwerbung für den Sommer - prangt mitten in der Metrostation. Und nicht nur in dieser, fast in jeder. Natürlich wird es nicht beachtet. Außer von mir.

 

Da muss ich hin, im nächsten Frühjahr.

 

Das blank geputzte Sifnos zeigt sich von seiner besten Seite, das Tourist-Office hat uns ein großes Apartment vermittelt,

mit Blick auf Chissopigi und durchgelegenen Matratzen, etwas abgewohnt, aber immerhin: Chrissopigi lebt. Wir genießen die Insel in ihrer Vielfalt, mit dem schmucken Hauptort Apolloniá, lernen in Kamáres den Töpfer „Toni“ – und seine Späße kennen (der mit dem Motorrad), und überstehen fast unbeschadet die Pfingst-Invasion der Athener in Vathí. Erleben zum ersten Mal, wie sich bei ihnen die Tische vor Speisen biegen – und fast nichts wird angerührt, geschweige denn gegessen. Vielleicht erklärt mir mal jemand, was das soll?

 

Etwas verwundert bin ich, dass in diesem Jahr auch sehr

viele Franzosen auf Sifnos ihren Urlaub verbringen. Egal…

 

Gefrühstückt wird immer in der Taverne, direkt neben

unserem Room, unter Tamarisken mit Blick auf Chrissopigi.

Gern gesehene Gäste sind wir nicht wirklich, der Wirt hat morgens alle Hände voll zu tun, um das Mittag- und

Abendessen vorzubereiten. Außerdem – wer will schon in Griechenland Frühstücken?

 

Aber nach vier, fünf Tagen wird er dann doch neugierig.

Fragt, was für komische Vögel wir denn seien, was ich denn

so beruflich mache. Schwer zu sagen. Ich zeige auf den laufenden Fernseher, der wie immer Werbung zeigt, und

erzähle irgendwas vom Filmen.

 

Ah! Das kennt er! Das war ihm klar, dass ich nicht wirklich arbeite. Denn in Griechenland gibt es nur drei Berufe:

Koch, Handwerker oder Friseur.

 

Er wischt sich die Mehl bestäubten Hände an seiner dreckigen ehemals weißen Schürze ab, reibt sich nochmals die Hände um dann in der Luft herumzufuchteln und ruft mir verächtlich zu:

 

„Ah, Figaro, Figaro!“ Na klar, jetzt ist die kosmopolitsche Welt wieder in Ordnung. 

 

 

 

 

 

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