Die griechische Gelassenheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Spießrutenlaufen am Hafen, das die Rooms-Vermieter veranstalten wenn die Fähre anlegt, und wenn die Touristen

aus dem Inneren des Rumpfes herausquellen wie überschäumendes Bier aus einem dunklen Flaschenhals,

steigert die Nervosität auf beiden Seiten.

 

Wo werde ich heute die Nacht verbringen – und wem wird

es gelingen, seine Zimmer zu vermieten?

 

Alles ist ungewiss.

Doch das war immer die Stärke der Griechen, voll und ganz

im Hier und Jetzt, nicht an Morgen denken, nur den Augenblick genießend sich keine Sorgen machen zu müssen.

Die Familie gibt Geborgenheit. Aber die Zeiten ändern sich.

 

Es wird gebaut an jeder Ecke, trotz der viel zu kurzen Saison entstehen immer mehr Unterkünfte, es ist ein Roulettespiel.

 

Wer Glück hat gewinnt.

Die Bank gibt das Geld, die Kredite drücken, das ist in Griechenland nicht anders als bei uns.

Und wir Touristen kriegen das zu spüren.

Die Gelassenheit verfliegt, der Kampf um jede Übernachtung wird immer härter, gerade in der Vorsaison.

 

Mit mürrischem Gesicht sitzen sie in der Taverne am Hafen,

als hätten sie zu kleine Schuhe an, zählen ihre leeren Rooms und stürzen sich auf jeden, der irgendwie ein Gepäckstück

bei sich trägt.

„Rooms, Romms, Mister?“ Ich kann es nicht mehr hören.

Und am Ende der Saison, wenn es wieder einmal entgegen

aller Erwartungen doch noch voll wurde und jeder sein Geld gemacht hat, gehst du ihnen am Arsch vorbei.

 

Bis zum nächsten Jahr.  

 

 



 

 

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