Festmahl auf Irakliá

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir saßen mal wieder unter dem großen Baum bei Dimitri

im O Pevkos, als plötzlich ein Bauer mit seinem Pickup vorfuhr.

Aus dem Kartoffelsack, den er von der Ladefläche hievte, schauten merkwürdige Beine hervor. Sie stammten von einer toten Ziege, die Küche wurde beliefert. Begeistert war Dimitri nicht, das Tier war eher schmächtig, nur Haut und Knochen, eben wie ein Model vom Laufsteg. Na ja, saftig sind die

Wiesen auf Iraklia im Juni ja auch nicht mehr.

 

Aber was soll´s, Fleisch musste her. Für den alten Schiffskoch Dimitri und für uns, die wir tagtäglich seine einfache aber schmackhafte Küche genießen durften, wartete eine

kulinarische Abwechslung. Das hatten auch die Athener mitbekommen, deren Yacht unten im Hafen lag und

die sich gleich für den Abend einen Tisch reserviert hatten.

 

Natürlich waren wir abends wieder die ersten Gäste im Restaurant unter dem Baum. Das störte uns nicht, denn

erstens waren so die besten Speisen noch vorrätig und

zweitens hatten wir Gesellschaft genug. Dass allerdings die Ziege so mager war, hätten wir nicht gedacht.

 

Unsere Koteletts bestanden wirklich fast nur aus Knochen, waren aber sehr schmackhaft zubereitet, mit viel Thymian

und Rosmarin. Die Sättigungsbeilage in Form von handgeschnitzten Pommes musste es bringen.

 

Dann kam das Taxi. Die Yachtbesatzung hatte sich doch tatsächlich die 300 Meter vom Hafen mit dem Auto herbringen lassen. Dafür musste der Hafenmeister aus der Melissa den Taxifahrer spielen, denn reguläre Taxis gibt es auf Iraklia natürlich nicht. Und Dimitri stand stramm, schwupp stand

das Essen auf dem Tisch: herrlich zartes Ziegenfleisch, fein filetiert, zart auf der Holzkohle gegrillt.

 

Der bekannte Duft von Rosmarin und Thymian schwebte wieder an unseren Nasen vorbei. Da hatten selbst die Athener nichts zu meckern. Wir staunten nicht schlecht, und unsere bösen Blicke quittierte Dimitri nur mit einem Achselzucken, zeigte uns seine leeren Hände, als wollte er sagen: „was soll ich denn machen?“

 

Na, vielleicht uns auch mal gut bedienen, die wir tagtäglich seine Kasse füllten? Am nächsten Mittag waren die Athener wieder weg, hoffentlich nach Mykonos. Und uns blieb weiterhin das leckere Briam. 

 

 



 

 

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