Spektakel Skopelits

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ankunft der Fähre Express Skopelitis in Donousa

am Abend ist jedes Mal ein ganz besonderes Spektakel

und Höhepunkt des Tages.

 

Anders als auf den benachbarten kleinen Kykladen

ist auf Donousa der Schauplatz einfach besser,

die Rollen sind besser verteilt.

 

Der Grund dafür ist, dass direkt am Anleger Nikitas Lokal

„To Kyma“ liegt, wie geschaffen für diese Vorstellung. 

 

Schon früh werden die besten Plätze in der ersten Reihe von den Touristen besetzt. Bei einem kleinen Ouzo oder Bira harrt man der Dinge, die da kommen sollen, trifft sich nach einer langen Wanderung oder einem schönen Badetag,

tauscht Neuig- und Nettigkeiten aus. Sehr kommunikativ

das Ganze.  Überraschend, wie viele Leute sich auf der Insel plötzlich sehen lassen. 

 

Das Schiff ist schon als kleiner Punkt – von Naxos kommend – am Horizont zu sehen. Die Wirtin Evangelia öffnet ihr Küchenfenster, es ist ihr Tor zur Welt in der Taverne „zur Welle“. Die Donousianer im „1. Stock“ spielen weiter Tavli, sie haben einen Logenplatz.

 

Langsam füllt sich der Anleger, Pickups rollen heran,

Kinder spielen, eine gewisse Neugierde macht sich breit.

Wer wird heute ankommen? Viele Touristes?

Sind die frischen Tomaten aus Naxos mit dabei?

Die Waschmaschine, das Baumaterial?

 

Die Skopelitis stampft vor sich hin, bei jeder größeren Welle raunt ein „Oh“ und „Ah“ durch die kleine Menge der Wartenden. Ferngläser werden gezückt. Man positioniert sich:

oben auf der Straße stellt sich das Empfangskomitee auf, unsere österreichischen Freunde, die Ferial-Insulaner haben ihren festen Platz. Die Hafenmeister sind nah dran, müssen das Festmachen organisieren.

 

Dann legt sie an. Die Ladeklappe senkt sich und die ersten Touristen strömen von Bord, beäugt von den an Bord zurückbleibenden, die wie Zaungäste das Ganze von oben betrachten.

 

Ein herzliches Umarmen, Begrüßen, sich Freuen ist die Regel.

 

Auch die, die nur kurz auf Naxos waren, werden begrüßt wie Weltreisende bei ihrer Rückkehr. Vermieter zücken ihre Room-Fotos, einige Touristen kommen, andere gehen. Die Zimmer sind schnell verteilt. Wer jetzt nicht zugreift, landet irgendwo unter der Treppe.

 

Dann kommt die Ware. Kisten und Kasten werden geschleppt, Pappkartons und lose Bretter, Gemüse, Schläuche, ganze Tiefkühltruhen – gefüllt mit Speiseeis -  werden ausgeladen.

 

Ist bei Nikita die Eistruhe leer, wird sie nicht wieder gefüllt, sondern die leere Truhe wird komplett auf die Skopelitis verladen, die neue Truhe kommt frisch gefüllt aus Naxos.

Hier hätte ein Logistik-Unternehmen noch viel zu tun.

 

Die neuen Waren werden schnellstmöglich auf die wartenden Pickups verteilt, inkl. der Gäste, und ab geht´s.

 

Die Skopelits legt wieder ab. Kaum einer würdigt sie

noch eines Blickes. Schnell austrinken, alles ist schnell vergessen, urplötzlich die Taverne To Kyma wieder leer.

 

Ab zum Duschen. Die Insel scheint verlassen wie eh und je.

Bis übermorgen, dann geht das Spektakel von vorn los.  

 


 

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