Von der Entstehung der Inseln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine überlieferte wahre Geschichte.

 

Komm, setz dich ein wenig zu mir, ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen.

 

Also, er zeichnete die Umrisslinien noch einmal nach, beim Entwerfen des alten Europa. Skandinavien - der sich streckende Löwe – war ihm gut gelungen.

 

Die Iberische Halbinsel rückte er noch ein Stückchen näher an Afrika heran und den eleganten Stiefel Italiens versah er noch mit einem etwas deformierten Fußball, aus einer Laune heraus. Den linken Finger der Peloponnes spreizte er vornehm etwas ab, so sah es besser aus. Gleich nach dem Mittagsschläfchen würde er weiter machen, mit dem Schwarzen Meer, der Türkei, die schon in Umrissen vorhanden waren…

 

Er hatte sich schon ein paar Minuten aufs Ohr gelegt, als sein Sohn, damals noch klein, die Karte und die Farbstifte fand.

 

Die neue Fläche zwischen der Peloponnes und der Türkei reizte den Jungen so sehr, sah sie doch entschieden zu leer aus.

 

Mit Elan und kindlicher Fantasie begann das Kind, die Fläche zu füllen, kleckste hier und kleckste da, fast brachen die Spitzen der Buntstifte ab, es hielten nur noch die Blauen, die Weißen und die Roten.

 

Wie im Rausch entstanden die Punkte, einer nach dem anderen, mal kleiner, mal größer. Aber er brachte einfach kein harmonisches Bild zustande. Die Karte war hin, chaotisch zugerichtet. Nur am unteren Rand schob er dem ganzen einen Riegel vor, damit der Schwarm der Kleckse sich nicht bis Afrika verlief.

 

Der Kleine gab auf. Na ja, er jedenfalls war mit dem Ergebnis zufrieden.

 

Der Vater, vom Mittagsschlaf erwacht, staunte nicht schlecht, raufte sich die Haare, aber ändern konnte – und wollte - auch er nichts mehr. So blieben sie was sie heute noch sind: Die Kykladen, ein paar Steinhaufen im Meer, das perfekte Chaos in Blau und Weiß, mit roten Tupfen, gemalt wie von Kinderhand.  





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