Andros im September 2010

 

Batsí, Baden, Basta!

 

 

So hatten wir uns das gedacht. So einfach ist es aber nicht. Denn Andros ist groß, die zweitgrößte Kyklade nach Naxos,

hat mehr als zwanzig wunderschöne Strände. Je nach Windrichtung (und der ist auf Andros oft zugegen) sucht man sich einen aus, fährt mit dem Mietauto ein Stündchen, um dann zu erleben, dass der Wind auch vom Rücken her ganz schön heftig wehen kann.

Aber wir hatten Glück, zumindest mit dem Wind.

Warmer Südwind war angesagt, hohe Luftfeuchtigkeit bei knapp unter 30 Grad. Für Ende September ist das nicht schlecht.

Doch urplötzlich ertönen jede Menge deutsche Stimmen am sonst einsamen Ateni Strand.

 

 

Wandergruppe oder was? Nein! Geologiestudenten aus Mainz, die für ihre Diplomarbeit mal eben eine Bucht vermessen und kartographieren sollen. Wie misst man die Wassertiefe? Badehosenkante abmessen und dann hinein ins kühle Nass, Zollstock immer parat. Buchtbreite: 87 Schritte. "Meine Schritte haben eine Länge von 85 cm." ruft die eifrige Studentin, die mit großenSchritten den Strand abschreitet. Hm, dann hätte ich doch lieber jemanden genommen, der eine Schrittlänge von einem Meter hat! Wäre jetzt einfacher zu rechnen.

 

 

 

Der Herr Professor nimmt seinen Assistenten zur Seite und tuschelt:

"Peinlich, hab den Autoschlüssel im Wagen gelassen und zugesperrt, muss mal eben jemand einen Ersatzschlüssel holen." Die gesamte Gruppe ist tatsächlich mit eigener Mietautokolonne angereist. Also: einer muss zurück insQuartier. Ca. eine Stunde hin, eine zurück. Glückwunsch!

Die Studenten vermessen eifrig weiter. Und wir machen uns

auf und davon.

 

Batsí und Kloster Agías

 

 

Doch nochmal alles von Anfang an:
Nur eine Woche Zeit, da heißt es eine Insel zu wählen, die nicht allzu weit von Athen entfernt liegt, schnell zu erreichen ist, und uns nicht viel Zeit für die An- und Abreise verloren geht.

 

 

 

Andros kommt uns da gerade recht, die zweistündige Überfahrt von Rafina aus ist mit der Theologos P. unkompliziert und für die erste Nacht haben wir schon mal eine Unterkunft vorgebucht. Man weiß ja nie, was die Griechen am Wochenende so treiben und eventuell Andros plötzlich über bevölkern. Denn die Insel ist ein Lieblingswochenendziel der Athener.

Im Hafenort Gavrion wird direkt ein Auto gemietet, und husch ab zum Urlaubsort, der Sprit mit 1,64 Euro nicht gerade billig.

 

 

 

 

 

 

Die Pension Nora-Norita liegt etwas außerhalb von Batsí (ja, ich weiß, in vielen Reiseführern liegt die Betonung auf dem á, also Bátsi, aber das ist offensichtlich nicht richtig) direkt am kleinen gemütlichen Kolona Strand - nur die Uferstraße liegt dazwischen. Sie ist übrigens durch den gesamten Ort jetzt zur Einbahnstraße geworden - von Richtung Gavrion kommend.

Das vermindert den Verkehr im Ort erheblich und lässt auch uns ruhig schlafen. Die Pension Nora hat denVorteil des nur von Stromleitungen getrübten Meerblicks und garantierten Sonnenscheins den ganzen Tag über, sogar schon zum Frühstück - falls sie dann scheint. Das kleinere Haus Norita liegt direkt gegenüber an der Strandseite der Straße. Uns hat es dort gefallen, und so haben wir das Quartier nicht mehr gewechselt.
Der kurze Fußweg nach Batsí hinein ist angenehm.

 

 

 

 

 

Batsí selbst ist ein kleiner ehemaliger Fischerort, vor fünf Jahren waren wir schon einmal hier. Der Ort hat immer noch seinen mediterranen Charme bewahrt, ist jedoch nicht sehr griechisch von der Anmutung. Genauso könnte er auch irgendwo am Mittelmeer liegen, in Südfrankreich oder Spanien vielleicht. Denn die Architektur ist nicht typisch kykladisch,
das griechische Festland mit seinen roten Ziegeldächern schlägt
hier doch stark durch.

 

 

Batsí ist auf die Wochenendbesucher aus Athen eingerichtet. EtlicheTavernen und Cafes säumen die Uferstraße, alle von uns getesteten von annehmbarer Qualität, aber nichts Überragendes. Gut gefallen hat es uns bei Gesa und Jannis im Dolphins und zwei Häuser weiter im Stamatis. Urig und von guter Qualität ist jedoch die Taverne direkt am Agia Marina Strand, nur 15 Gehminuten von Batsí entfernt.

 

 

Ein festes Programm für unsere Urlaubswoche haben wir nicht, aber die Vielzahl der Orte, Strände, Klöster und Wanderwege erhöht schon den Stressfaktor für nur eine Woche Zeit. Also ist Auswahl angesagt, und wir entscheiden uns zunächst für ein paar Insel-Kloster-Touren.

 

 

 

 

Nicht weit entfernt von Batsí liegt das Nonnenkloster Agías oder Zoodóchou Pigi.

Den Einstieg zum Fußweg dorthin finden wir aufgrund der Beschreibung im MM-Kykladenführer leider nicht, wir tappen mehrmals um den Sportplatz herum und geben auf. Unser "Dieter Graf" liegt leider faul auf dem Bett, und so nehmen wir dann doch das Auto.

Und wir haben Glück. Denn gerade habe ich meine Kamera ausgepackt, da öffnetsich die Kosterpforte und hoher Besuch mitsamt Gefolge erscheint. Der Abt des Klosters Agios Nikolaos, das wir später noch besuchen werden, in Begleitung der Bewohnerinnen des Nonnenklosters und eines Diakons erscheint, um sich auf den Heimweg zu machen. Der Abt hatte das Kloster anlässlich des Festes der Kreuzerhöhung besucht und gegen ein Gruppenfoto offensichtlich nichts einzuwenden.

 

 

 

 

Ein Besuch des Klosters selbst wird uns aber wegen unserer nicht ordnungsgemäßen Bekleidung nicht gestattet, die nur noch vier hier lebenden Nonnen diskutieren eifrig darüber. So erkunden wir die Landschaft und gehen den Weg fast bis nach Batsí hinunter - und natürlich wieder hoch zum Kloster und Auto.

 

 

Also: der Weg beginnt nicht am Sportplatz, sondern an der Betonpiste zu den Panorama-Studios. Dann rechts halten und in gut einer Stunde ist man am Kloster. Ein empfehlenswerter Weg als Einstieg in die Andros-Welt.

 

 

 

Chora, Mühlental und Kloster Panachrántrou

Die Küstenstraße an Paleópolis vorbei und hinüber nach Andros Chora ist nur das "Vorspiel" für die großartige Landschaft, die uns im Mühlental erwartet.

 

 

 

Nach einem kurzer Abstecher zu den Löwenkopfbrunnen in Menites führt uns die Straße weiter bis nach Chora, dem Hauptort auf der Felsenspitze. Das Museumfür Moderne Kunst hat leider schon geschlossen, und so fahren wir weiter, um das Mühlental zu durchwandern.

 

 

 

 

Dieses Mal verlassen wir uns auf unserer Dieter Graf für den Einstieg ab Sineti. Der Weg ist zwar wie erwartet zugewachsen, doch ein parallel laufender Schotterweg ermöglicht den Fußmarsch. Erst am "Blauen Pfeil" ist der alte Wanderweg passierbar. Die Reste von etlichen Wassermühlen säumen den Wanderweg, führen zu der alten Steinbrücke, an der eine noch gut erhaltene Mühle steht. Das Wasser wurde in Kanälen von oben in den außen eckigen und von innen runden Schacht geführt, auf dessen Grund das Mühlrad sich offensichtlich befand. Ein wenig Vorstellungsvermögen benötigt man schon, da auch der das Wasserrad antreibende Fluss nur noch ein schmales Rinnsal ist.

 

 

 

 

 

 

Gut mit dieser Tour zu verbinden ist ein Besuch des Klosters Panachrántrou, das spektakulär am Hang mit Blick bis hinüber
nach Chora liegt.

 

 

 

 

Das Kloster ist bewohnt, doch von den hier lebenden fünf Mönchen lässt sich niemand blicken, obwohl die Tore des Klosters für Besucher geöffnet sind. Den Job muss wohl die Klosterkatze alleine machen. Und ich muss sagen, sie hat ihn gut gemacht und uns überall hin begleitet.

 

 

 

 

 

Kloster Agios Nikolaos und Zagorá

 

 

Die große Andros-Durchquerung machen wir bequem per Auto. Überwältigend sind die Panorama-Ausblicke über die Orte und die Landschaften, bis wir das Kloster Agios Nikolaos erreichen.

 

 

 

Auch hier berührt uns die stille Lage dieser sehr gepflegt wirkenden Klosteranlage und wir zögern einen Moment, durch das Tor einzutreten. Auch hier begegnet uns kein weiterer Besucher, ein Korb mit Leih-Hosen und -Röcken steht bereit, wir bedienen uns und hören Stimmen aus einem der Nebenräume. Es ist die Klosterschneiderei, die wir kurz betreten und dort - welch eine Überraschung - den jungen Diakon wieder treffen, den wir am Kloster Agias gesehen haben.

 

 

Zu unserer Überraschung spricht er uns auf Deutsch an, er kommt aus Wien und ist im Kloster Agios Nikolaos zu Gast bei den drei anderen noch hier lebenden Mönchen und ihrem Abt. So erzählt er uns ein wenig von der guten Atmosphäre hier oben, der Gemeinschaft der Mönche, die ganz harmonisch und ohne Streit und Zwietracht zusammen leben. Man mag es kaum glauben. Tatsächlich strahlt dieser Ort eine gewisse Ruhe und Harmonie schon aus.

 

 

 

 

Nach all diesen Autotouren ist es uns ein Bedürfnis, mal wieder die Füße zu gebrauchen, und so machen wir auf dem Rückweg einen Abstecher nach Zagorá zu den spärlichen Resten dieser antiken Siedlung, die einst in der geometrischen Epoche die Inselhauptstadt war.

 

 

 

 

Der Weg führt vorbei an der Kapelle Agios Georgios,
viel Antikes zu sehen gibt es nicht, aber die Wege sind gesäumt von Xirolithiés, den Trockenmauern mit den vertikal eingesetzten Schieferplatten. Der Weg führt an der Küste entlang zu dem beeindruckenden Plateau, auf dem die Stadt einst gelegen hat.

 

 

Ein gelungener Abschluss unserer Andros-Tour.

 

 

 

 

 

 

 

 

Inselberichte