Donousa - Bauboom

 

 

 

Natürlich bleibt auch auf Donousa die Zeit nicht stehen, und heute ist eine Ankunft mit der Express Skopelitis ein etwas größeres Spektakel als noch in den 1980er oder 90er Jahren, als man höchstens vom Bürgermeister im grünen nomen-est-omen Hemd und ein paar leeren Ölfässern erwartet wurde.  

 

 

Heute scheint das halbe Dorf auf den Beinen zu sein, etliche Touristen, und natürlich die Pensionswirte, die sich neue Gäste erhoffen. Jeder ist gespannt, wen wohl die Fähre ausspucken wird, man muss selbst nicht verreisen, die Xenoi kommen aus aller Welt.

 

Ich selbst freue mich halt wieder auf die Insel, altbekannte Gesichter wieder zu sehen, und auf die altbewährte Unterkunft, die zwar nicht mehr den heute üblichen Standard bietet, aber dafür Familienanschluss. Und als langjähriger Besucher ist es gerade auf Donousa unmöglich, nach so langer Zeit eine andere, modernere Unterkunft zu wählen. Dann wäre man im Dorf unten durch.

 

 

Doch die Enttäuschung ist schon groß, wenn ich dann die Terrassentür öffne, und anstatt des allabendlichen Meerblicks zum Sundowner auf eine Neubauwand schauen muss.  

 

 

Da sitzt der Frust schon tief. Aber was soll man machen? Ganz rechts am Neubau vorbei sehe ich noch einen Zipfel vom Anleger mit der Institution To Kyma, und das ist doch das Wichtigste! Der Blick fürs Fernglas ist gesichert!

Gut, der Ausblick hatte auch vorher nicht 5 Sterne, aber er zeigte doch das authentische Donousa, das richtige Leben halt, mit Wäscheleine, Autogarage und Schrabbelecke.

 

 

 

Nur merkwürdig, dass der Neubau zu einer der bestbesuchten Tavernen auf der Insel gehört, und so erzählt man sich im Dorf, dass unser Vermieter natürlich nicht „amused“ sei ob der versperrten Sicht, und dem Tavernenwirt daher schon angedroht hat, selbst ein Restaurant als Konkurrenz zu eröffnen. Nun, soweit ist es noch nicht gekommen, denn zur Zeit errichtet er selbst einen großen Neubau am südöstlichen Ortsrand, der zwar nicht die Terrassenaussicht anderer Touristen stört, der aber meines Erachtens den schönsten Blick über den Ort Stavros teilweise verdeckt, den man genoß, wenn man die Straße vom Kedros Strand auf den Ort zulief.

 

 

Es war der Blick über ganz Stavros, ein Postkartenmotiv quasi. 

 

Zusammen mit meinen Freunden Ossi und Anne, die schon wesentlich länger die Insel bereisen, habe ich einmal einen kleinen Fotovergleich zusammen gestellt, der die Veränderung im Laufe der Zeit zeigen soll.  

 

 

Hier sehen wir, wie der Bauboom in Stavros vorangeschritten ist. Man schaue sich nur einmal das Gelände vor der Kirche oder die höher gelegenen Grundstücke an.  

 

 

 

 

Aber nicht nur der Blick auf den Ort ist interessant, auch der Blick von der anderen Seite hinüber auf „Nea Stockholmi“, wie die Einheimischen den Ortsteil wegen der vielen blondenTourist(inn)en nennen, zeigt die wachsende Bebauung von 1982 bis heute.   

 

 

 

Auffällig ist, dass die damals übliche einstöckige Bebauung heute nicht mehr realisiert wird. Unterkünfte wie zum Beispiel Lonis & Spiros Guesthouses, eingeschossige Studios in einem paradiesischen Garten, würden heute wohl nicht mehr so gebaut werden. Heute muss es schon mindestens zweigeschossig sein.

 

Und nicht nur wir sind von diesem vermeintlichen Bauboom überrascht, auch unsere langjährige Inselfreunde bestätigen, dass sie von ihrer Unterkunft aus schon lange nicht mehr den schönen Blick auf den Hafenanleger haben, vieles wurde im Laufe der letzten Jahre zugebaut.

Was andere Medien „ein Musterbeispiel des traditionellen Baustils“ nennen, wirkt für manche Einheimische doch eher als Fremdkörper in ihrem Heimatort.  

Wanderer, kommst du nach Donoussa 

 

Die lockere kykladentypische Bebauung ist dahin.

Donousa ist wohl neben Koufonissi diejenige der kleinen Ostkykladen, die den größten Zuspruch erlebt, und die mit den größten Veränderungen zurecht kommen muss.   

 

 

 

Ein kleiner Fotospaziergang führt mich durch den Ort, zuerst am Ende des Ortstrandes an einer brandneuen Anlage vorbei – zwischen Geldautomat und Bäcker direkt an der Zufahrt gelegen. Die Zimmer scheinen recht klein zu sein, und die nackten Sonnenterrassen direkt an der Hauptgasse wären jetzt auch nicht nach meinem Geschmack.

 

 

Mehr und mehr wird das Ortsbild von größeren Häusern geprägt, die unproportioniert in der Landschaft stehen, oder den Blick auf das Meer versperren.  

 

 

Und teilweise sind es auch wohl dieselben Bauherren, die sich selbst ihren Blick mit neuen Häusern zubauen.

 

 

 

Bald wird man sich wie am Ag. Georgios Strand auf Naxos fühlen, wo man von einem Hotel auf die Rückwand des Nachbarhotels schaut, seitlicher Meerblick nur aus den oberen Stockwerken möglich.  Aber nur, wenn man sich etwas streckt. Nein danke!

Bemerkenswert finde ich auch die neuen Althea Studios am Sportplatz, die man besonders gut von der neuerbauten Nikitas-Kapelle am nordöstlichen Ortsrand aus sieht. So weit draußen war man früher schon fast in Kalotaritissa!

 

 

 

 

Apropos Kalotaritissa: Dass es das alte ursprüngliche Donousa noch gibt, erleben wir an einem kleinen Ausflug in dieses abgelegene Dorf im Nordosten der Insel. Auch heute noch findet man hier den wirklich „traditionellen Baustil“, der eher aus der Not heraus entstanden ist.

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausflüge nach Kalotaritissa sind inzwischen sehr beliebt, auch aufgrund der guten Strände in der Umgebung, der guten Taverne dort und der Verkehrsanbindung mit dem Badeboot Donousa Magissa, oder dem Bus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und so wundert es uns dann nicht, wenn der Bus zurück nach Stavros eher an eine Busfahrt in Palermo erinnert. Griechisch wird hier nicht parliert, ausschließlich Italienisch.  

 

 

So ist es dann am Abend in Stavros doch noch am beschaulichsten.  

 

 

 

Der Blick über die Bucht vom Iliovasilema aus mutet schon fast kitschig mit der neu beleuchteten Hafenzeile an. Doch diese Lampen blenden die Menschen im To Kyma so sehr, dass einige erfinderische Gäste hier schnell eine kreative Lösung gefunden haben.    

 

 

 

Echt donousiotisch eben.

 

 

 

 

Kyklade vermisst Zikade