Eine Busfahrt auf Donousa

 

 

 

 

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Nicht mal auf Donousa.

Nachdem die Insel ihre Eigenständigkeit verloren hat,
der Gemeindevorsteher quasi entmachtet wurde, wird 
Donousa jetzt komplett von der Gemeinde Naxos verwaltet.
Mit allen Vor- und Nachteilen.

Kleinere Aufgaben wie die örtliche Müllentsorgung können
nun nicht mehr auf dem kleinen Dienstweg geregelt werden, jede noch so kleinste Genehmigung muss aus Naxos kommen.

 

Andererseits ergießen sich die Annehmlichkeiten eines verbesserten Personentransports in Form eines 20-sitzigen Linienbusses über die Insel, der schon ab Sommer 2012 regelmäßig eingesetzt wurde. Naxos macht´s halt möglich.

 

 

Die Wirte in Mersini und Kalotaritissa freut das natürlich, denn jetzt haben es die Gäste leichter, ihre Lokale dort zu erreichen. Die beiden Taxifahrer der Insel sehen das jedoch mit gemischten Gefühlen. Natürlich lässt sich kein Gast mehr tagsüber per Taxi nach Mersini bringen, ihre Schicht beginnt also erst, wenn der letzte Bus gefahren ist und die Gäste am späten Abend oder in der Nacht wieder nach Stavros wollen.

 

 

So steht er nun erwartungsvoll vor Nikitas Taverne
auf dem Anlieger.

 

 

Ein üppiger Fahrplan ist auch angeschlagen:
im Juni 2013 geht es dreimal am Tag über Mersini nach Kalotaritissa und zurück – wenn Gott will.

Nun, Gott ist nicht im Spiel.

 

Aber ein Busfahrer, den es auf Donousa ja nicht gibt, wird aus Naxos gleich mit angeliefert.

Er kennt die Insel gut, war als Fliesenleger hier schon oft im Einsatz. Was er allerdings den ganzen Tag zwischen seinen
drei kurzen Fahrten macht, bleibt mir ein Rätsel.

Vielleicht Fliesenlegen?

 

Der Preis ist moderat, 1,60 € nach Mersini, nach Kalotaritissa etwas mehr. 2,- € oder 2,20 €. Ich weiß es nicht mehr so genau. Frage mich aber, was wohl die Fahrt von Mersini nach Kalotaritissa kostet...? Denn dieser Teil der Strecke ist

genauso weit wie der von Stavros nach Mersini.

 

Fahrkarten gab es zuerst bei Nikitas zu kaufen, aber das war wohl zu umständlich.

Nun gibt es sie unterwegs, im Bus. Das ist aber auch nicht
so einfach, da auch der Fahrer keine Fremdsprache beherrscht, um sich mit den Touristen verständigen zu können.

 

Daher hat man nun Dimitri beauftragt, die Fahrten zu begleiten.

Dimitri hat über 30 Jahre in Berlin gelebt, lebt nun wieder auf Donousa, ist hier voll integriert und ist sogar Schlagzeuger der dorfeigenen Musikergruppe – ich will sie jetzt nicht „Band“ nennen. Er spricht ausgezeichnet Deutsch, natürlich auch Englisch, und trägt – für Griechen ungewöhnlich – eine
gut funktionierende Armbanduhr.

Er weiß Bescheid.

Und so wagen wir es, den Bus nach Mersini zu nehmen.

 

 

Aber erst, nachdem ich mich per Fernbedienung von Petra Gerster verabschiedet habe. (ja, Prassions hat jetzt Statellit!)
Wir
sind zum Abendessen mit Ossi und Anne bei Litsa
im Restaurant Tzi Tzi in Mersini verabredet.

 

 

 

Wir schlurfen über den Strand zur "Bushaltestelle", vertreiben uns die Wartezeit wie gewohnt bei Nikitas und Georgios, schauen zu, wie sie ganz FIX ihre Kühltruhe befeuern, und schon soll es los gehen.

 

 

 

 

 

 

 

Der Bus ist gut besetzt,

aber wer nicht kommt, sind Ossi und Anne.

Deshalb versuche ich, Dimitri doch zu bewegen,
noch etwas zu warten.

 

Richi: „Können wir vielleicht noch etwas warten? Es wollten noch zwei mitkommen

 

Dimitri: „Yes, no problem“.

 

Richi: „Danke,wir warten noch auf Ossi und Anne, die wollten mit uns fahren.“

 

Dimitri: „Oh, Ossi and Anne? The German couple?  

They are in Kalotaritissa.

They took the bus at 15 o´clock.”

 

Richi: “Na, dann werden sie ja wohl mit diesem Bus zurückkehren und wir treffen sie dann in Mersini.“

 

Dimitri: „Yes, I will tell them, that you are in Mersini now. But hurry up, it is at 18:35 o´clock Greenwich time!!!”

Und dabei tippt er mehrmals mit dem Zeigefinger auf
seine Armbanduhr.

 

Dimitri: „But, where are you from?”

 

Richi: "Aus Deutschland."

 

Dimitri: “Germany? Dann können wir ja auch Deutsch reden, ich habe über dreißig Jahre in Berlin gelebt.“

 

Richi: "Ja, ich weiß, aber ich rede doch Deutsch."

 

Dimitri: „Hä???“

(Kein Scherz!)

 

Und schon geht´s los.

 

 

 

 

Wir erreichen pünktlich Mersini im schönsten Abendlicht,
setzen uns ein wenig an die Agia Sophia Kapelle und genießen den Ausblick über das Meer auf Amorgós, das dieses Mal
zum Glück nicht im Dunst verschwindet.

 

 

 

Hier ist übrigens an vielen Tagen ein seltsames Phänomen zu beobachten, auf das uns Litsa früher schon aufmerksam gemacht hat. Wenn man nämlich nach Amorgós genau in südliche Richtung blickt, dann sieht man, dass hier zwei unterschiedliche Meeresströmungen zusammen treffen. 
Die eine Strömung kommt von Osten – also von links, während auf der anderen Seite die Wellen auf dem Meer von rechts,
also von Westen kommen. In der Mitte wird alles verwirbelt.
So wird vermutlich der Nordwind um Donousa herum geführt und trifft auf der Südseite von beiden Seiten wieder aufeinander. Das erklärt auch, warum bei windigem Wetter
die Fahrt der Scopelitis von Amorgós nach Donousa doppelt schaukelig wird,
manch einer kann ein Lied davon singen…

 

 

 

Nun, die Wartezeit wird länger und länger, anscheinend hat der Bus, der Ossi und Anne nach Mersini bringen soll, in Kalotaritissa Verspätung. Und so machen wir einen Abstecher zur nahe gelegenen Quelle.

 

 

 

 

 

Dabei überprüfen wir kurz den aktuellen Bestand der Goldfische
im Becken, es sind aktuell acht Stück.

 

 

Nach dieser umwerfenden Entdeckung treibt uns der Hunger dann doch in das Lokal von Litsa, wo - man glaubt es kaum - mit etwa zweistündiger Verspätung unsere Freunde eintreffen. Der Grund: die Familie des Busfahrers war in Kalotaritissa noch am Tafeln (nicht am Fliesenlegen), und so konnte der Busfahrer natürlich nicht ohne sie zurückfahren. Normal.

 

 

 

 

 

Wir lassen es uns bei Litsa dann auch gut gehen, verspeisen die wunderbaren Spezial Burger oder die gefüllten roten Paprika.

 

 

 

 

Es wird natürlich mal wieder ein feuchtfröhlicher Abend, der sich bis tief in die Nacht hin zieht. (Obwohl, ich glaube, Ossi und Anne haben gar kein Bier, sondern Wein getrunken ;-)

 

An einen (wie geplanten) Fußmarsch zurück ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken, daher bedanken wir uns bei Dimitris Prasinos, unserem Taxifahrer, der auch um halb vier noch putzmunter seinen Dienst tut und uns für 7 Euro nach Stavros zurückbringt. (+30 6945 109 180)

 

Am nächsten Morgen steht sein güldenes Taxi schon wieder  brav und gestriegelt vor dem Fenster...

 

 

 

...und er in Warteposition für die nächsten bekloppten Touris.

 

 

 

 

 

 

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