Naxos - Eis auf dem Gipfel des Zas

oder

Zas On The Rocks
 

 

 

Der Berg ruft.

Wir hören ihn zwar nicht, aber wir sehen ihn oft.

Weit in der Ferne, im Dunst der Ägäis ragt er unübersehbar hervor, gibt klar zu verstehen, dass er der Höchste ist,
der gewaltigste Berg in der Kykladenwelt.

Mit seinen 1001 m ist er zwar nicht der Mount Everest, aber
ein Spaziergang hinauf wird es wohl nicht werden, das Wetter sollte schon stimmen, und oft ist seine Spitze in Wolken gehüllt.

Immer wieder schauen wir von Irakliá aus hinüber, sehen,
dass es doch noch ein Stück höher gehen wird.

Unser Zeithorizont wird immer enger.

Nur zwei Tage haben wir uns vor der Rückreise für Naxos vorgenommen. Mit Eric, den wir hier treffen werden,
wollen wir den Zas besteigen.

Am Abend beschleicht uns ein mulmiges Gefühl. Den ganzen Tag über war es wolkig, manchmal regnete es sogar,
windig war es auch.

 

 

Wie oft habe ich mir geschworen:
Den Zas bezwingst du nur bei bestem Wetter!

Ich gebe die Hoffnung langsam auf, bereite Eric darauf vor, dass wir bei nicht optimalem Wetter wohl eher in Filoti, der Basisstation bleiben werden, evtl.noch einen kleinen Ausflug nach Danakos machen…

Der nächste Morgen verheißt nichts Gutes, die Wolken ziehen sich hinüber bis Paros, der Zas ist in den Wolken verschwunden.

Wir fahren trotzdem los, ich freue mich schon auf die urige Taverne "Florakas" in Danakos, die einen guten Ruf genießt,
der Wirt soll Jäger oder Hirte oder so was sein und vorzügliche Fleischgerichte haben, einTipp von Georgios aus Mikri Vigla.

Doch plötzlich reißt der Himmel auf, in Windeseile verziehen sich die Wolken, wie blank geputzt erscheint der Himmel als wir bei der Kapelle Agia Marina unser Auto parken.

Kurzer Check: Habt ihr Wasser und Proviant dabei?
Ja klar, haben wir.

Wir stapfen los, vorbei an einigen überfüllten Mülleimern,
aus denen etliche leere Wasserflaschen quellen.

In der Zwischenzeit erweist sich meine Jeans sogar als falsche Bekleidung, die Kraft der Sonne nimmt stetig zu, kurze Hose wäre angesagt.

 

 

 

Der Weg ist gut markiert, ein Verlaufen fast schon unmöglich.
Gott sei Dank sind wir fast allein.

Etwas schmunzeln muss ich doch, als Eric seine Wasserflasche zückt.

Ganz clever hat er sie am Abend zuvor ins Eisfach gelegt, hat nun einen schönen Eisklotz dabei, der mit der Zeit immer mehr Wasser leckt. Schon am Strand hat er mit diesem Trick immer gute Erfahrung gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Tja, die Kraft der Sonne macht es möglich, sein Getränk ist zumindest eiskalt. Das wird sich auch bis zum Gipfel kaum ändern, und so erleben wir Ende September noch Unglaubliches: Eis auf dem Gifel des Zas,
Zas on the rocks.

Die Ausblicke sind grandios, die Vegetation wechselt von üppig zu karg, ebenso das Schuhwerk der uns entgegen kommenden Wanderer, von Stiefeln bis FlipFlops ist alles dabei.

So erreichen wir – etwas durchgeschwitzt, aber ohne größere Mühe schon nach ca. 90 Minuten den Gipfel.

Hammer!

Der Blick ist sagenhaft, ich hätte nicht gedacht, dass direkt hinter dem Weg ein steiler Abhang hinuntergeht, hatte mir eher eine Hochebene vorgestellt. 

 

 

 

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir tragen uns in das Gipfelbuch ein, das in einer Art Briefkasten untergebracht ist, machen die obligatorischen Fotos mit Selbstauslöser – wagen es nicht, andere Gipfelstürmer hierum zu bitten – und suchen uns weiter unterhalb ein schattiges Plätzchen unter einem Baum für die Rast.

Den Abstieg bewältigen wir in einer knappen Stunde, werfen noch einen Blick in die Kapelle Agia Marina und steuern direkt einen Kiosk in Filoti an, wo Eric in Windeseile zwei eiskalte Dosen Cola light entseelt.

Aha, deshalb war er beim Abstieg immer so schnell vornweg.

 

 
 

 

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