Naxos - Stopover

Juni 2018


Es ist nicht ganz einfach von Sifnos oder den anderen Westkykladen über Naxos hinüber auf die Kleinen Ostkykladen zu gelangen. Die Preisspanne der Möglichkeiten ist gewaltig, und ich komme ins Grübeln, ob mittlerweile nicht „Zeit ist Geld“ ein wichtiger Grundsatz der Verhältnismäßigkeit für eine Kykladenreise geworden ist.
Die Fährenfahrt geht entweder mit der Artemis nach Paros und von dort mit der Blue Star nach Naxos für insgesamt 15,50 € pro Person. Und ab Naxos mit der Express Skopelitis (Abfahrt 14:00 h) weiter auf die kleinen Inseln. Der Nachteil: die Artemis fährt erst um 16:40 h in Sifnos ab, und mit der Blue Star kommt man dann um 22:45 h in Naxos an. Eine Übernachtung wäre also auf Naxos oder Paros auf jeden Fall fällig.

Oder man fährt mit dem Seajet von Sifnos 9:20 h bis 14:10 h über Milos – Folegandros – Santorin nach Naxos für 71,60 € pro Person, ist aber gut fünf Stunden im Seajet II unterwegs, und die Skopelitis erreicht man auch nicht mehr.

Wir wählen die schnellste Variante, mit dem Hellenic Highspeed von Sifnos nach Ios, und von dort mit dem Champion Jet nach Naxos. Preis für diese Zeitersparnis: 84,80 € pro Person. Der teuerste Inselwechsel meines Lebens!


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Eine Zwischenübernachtung in Naxos war fest eingeplant, und wir wollten einen Nachmittag und Abend in Naxos genießen, anstatt auf gepackten Koffern bis 16:40 h in Sifnos auf die Artemis zu warten. Nur war es nicht ganz einfach, ein Zimmer für eine Nacht zu bekommen. Offenbar fand an diesem Junitag mal wieder ein großer Ärztekongress in Naxos statt, und alles war ausgebucht. Glück hatte ich im Apollon Hotel, es ist in Hafennähe und fußläufig leicht zu erreichen, ohne größere Treppenhindernisse.
Welch eine Überraschung, als wir beim Betreten des Hotels von einer uns bekannten Dame empfangen werden.
Es ist Despina, die wir von früher aus dem „Naxos Tourist Information Centre“ am Hafen kennen, wo wir schon vor über dreißig Jahren als Backpacker unsere Rucksäcke deponiert hatten, und die uns damals in vielen Jahren wertvolle Tipps gegeben hatte. Heute leitet sie das Apollon Hotel, und als wir beim Einchecken feststellen, dass wir auch noch am selben Tag im selben Jahr geboren wurden, ist sie ob der Gemeinsamkeiten und der Erinnerung an alte Zeiten so gerührt, dass sie sich spontan entschließt, uns die Suite des Hotels zu geben. Hammer: Zwei Räume, zwei Balkone, jede Menge Platz. Dank nochmal an Despina! Das Hotel ist gut ausgestattet, ein wenig vollgestopft mit Erinnerungen, aber dadurch wirkt es auch sehr gemütlich.


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Wir vertrödeln den Nachmittag beim Baden am Plaka Beach, bummeln danach durch Naxos-Stadt, werfen nostalgische Blicke in die immer noch verwaiste Nikos Fischtaverne und haben den Eindruck, dass an der Paralia die Anzahl der Fastfoodläden noch  einmal zugenommen hat. Auch die Auslagen und Werbeschilder der übrigen Lokale lachen uns nicht besonders an.


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Da vertrauen wir lieber dem Internet als Tippgeber und besuchen ein für uns neues Lokal, das in den einschlägigen Portalen als gut bewertet wird, und dessen Food-Fotos uns gefallen, das Antamoma (Adamoma). Es liegt in der Nähe des Rathauses, dort, wo die Agiou Georgiou Straße in die Ardrianis mündet. Die Einrichtung ist modern sachlich, Meerblick ist auch zu erahnen, das Essen ist wie eine kleine Belohnung, ausgezeichnet und preislich im Rahmen. Da wird mein Spruch „Neuer Schwung in alter Küche“ wieder einmal wahr.


Und natürlich darf ein Bummel durch die Altstadt nicht fehlen, mit einem Besuch bei unserem Schmuckdesigner Nassos Konstantinou in der Old Market Street.

jewelrynassos
Wir kommen wie immer ins Gespräch und unterhalten uns über Naxos im Wandel der Zeit und den zunehmenden Tourismus, der für ihn und sein Geschäft doch nur Gutes bringen müsste, wie ich vermute. Aber da widerspricht er mir vehement. „Weißt du, es kommen zwar viel mehr Leute nach Naxos als früher, auch zu mir in den Laden. Aber es kommen die Falschen. Sie kommen herein, schauen nur, sprechen nicht mit dir und kaufen nichts. Früher war das anders, die Leute waren interessiert, man hat sich unterhalten. Die vielen Touristen tun Naxos nicht gut, je mehr kommen, desto uninteressanter wird die Insel für den Einzelnen, sie verliert ihre Identität und Individualität.“


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Vielleicht ist es ja nur das sich Sehnen nach der guten alten Zeit, vielleicht ist es aber auch mehr, was Nassos ausspricht. Er kennt die Insel wie kein Zweiter, was soll man da noch sagen.
Auch bei Despina im Apollon Hotel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, die Preise für Wäscherei und Gepäckservice sind noch in Drachmen ausgeschrieben, und das „Naxos Tourist Information Centre“ von damals scheint es immer noch zu geben...



...genau wie die Skopelitis, die uns wie früher nach Iraklia bringt.


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