Paros - Antiparos    

 

 

Wie gewohnt schaukelt uns die BlueStar von Iraklia über Naxos nach Paros, und eigentlich wüsste ich gar nicht was ich noch über Paros schreiben sollte, wenn wir uns nicht dieses Mal ein neues Quartier ausgesucht hätten.  

 

 

Das alte Hotel Captain Manolis ist zwar optimal gelegen, die Zimmer sind aber doch sehr klein und für einen längeren Aufenthalt etwas unbequem, was z.B. das Trocknen der Badehandtücher angeht.

So holt uns dieses Mal der neue Vermieter Giotis mit seinem Auto von der Fähre ab, hält schön ein Schild mit meinem Namen vor sich in die Luft, denn wir kennen uns ja noch nicht, er bringt uns schnell zu unserem Studio, das genauso aussieht wie auf den Bildern im Internet.

Erfreut ist er, als er hört, dass wir aus Deutschland kommen. Von Ressentiments keine Spur, im Gegenteil, er ist ein Merkel- und Deutschland-Bewunderer. Und nebenbei natürlich auch ein großer Bayern München-Fan, „Schweinsteiger“ kommt ihm fast akzentfrei über die Lippen, ja wir Deutschen würden alles richtig machen, und ich muss mich zurückhalten zu sagen, dass wir aus Köln kommen und nicht aus München und ich nie Angela Merkel gewählt habe. Na ja, Köln wäre beim Fußball ja nur so Mittelfeld, aber auch gut, und so werden wir akzeptiert. Er und seine Frau eifern den deutschen Tugenden offenbar gerne nach, die Zimmer sind blitzsauber, riechen nur etwas stark nach Putzmitteln, aber der Geruch verflüchtigt sich schnell, und der kurzgeschorene Rasen in ihrem wunderschönen Garten ist ihr ganzer Stolz, wo sie uns zur Begrüßung gerne Karpouzi kredenzen, ein anderes Wort fällt mir hier jetzt dafür nicht ein, ich meine für „kredenzen“, nicht für Karpouzi.   

 

 

 

Dennoch wartet er etwas ungeduldig darauf, dass wir mit unserem Chillen fertig werden, und schwupp, sobald wir den Garten verlassen haben, kommt er auch schon mit dem Rasenmäher heraus und dreht seine Runden über das ohnehin schon kurz geschorene Green. Irgendwie echt Deutsch.

 

 

Die Studios sind nahe der Marketstreet von Parikia gelegen, aber doch in einer Gegend, die nicht so touristisch ist, und so ist der kurze Gang in die „City“ durch das Wohngebiet jedes Mal eine schöne Abwechslung zu dem postkartenartigen Ambiente, das uns am Ende erwartet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sundowner an der Paralia mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Meer, das Essen im To Spitiko, das Schlendern durch die abendlichen Gassen bis zum Absacker im gemütlichen Distrato, das ist für mich jedes Mal unterhaltsamer als jeder Großstadtrummel.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen machen wir uns dann auf, um Antiparos einen Besuch abzustatten. Eigentlich bin ich gar kein Freund von Tagesausflügen auf andere Inseln, denn in dieser kurzen mittäglichen Zeit wird man auch den kleinsten Inseln nicht gerecht, und irgendwie habe ich die Tagesausflügler immer bedauert, die von Naxos aus mit der MS Alexander die Inseln Iraklia oder Koufonissi für ein paar Stunden angelaufen haben.

 

Aber wir kennen Antiparos schon von früher (siehe Inselbericht „Antiparos – frei wie der Wind“) und die Neugier ist einfach zu groß, einen Blick auf die Veränderungen zu werfen und das Fotoarchiv um einige Motive zu ergänzen.  

Im Halbstundentakt setzten die Fähren von Pounta nach Antiparos über, von morgens früh bis tief in die Nacht, aber es ist keine Fähre zu sehen als wir am etwas erbärmlichen Hafenort ankommen. Eine Souvlakibude kämpft offenbar ums Überleben, unbeachtet wacht eine kleine Kirche über allem, die Tür nach Antiparos ausgerichtet.

 

 

 

 

 

 

Und ich erinnere mich an alte Zeiten und Hinweise aus den ersten Reiseführern von Martin Velbinger, der 1978 zur Verbindung nach Antiparos schrieb:

„Mit dem Kaiki von Parikia tägl. 2 mal rüber nach Antiparos. Andere Möglichkeit:...Pounta. Kaiki-Transport funktioniert folgendermaßen: blaue Kapellentür am Hafen öffnen. Ist Zeichen für den Fährmann auf der anderen Seite. (Kann aber sein, daß der in irgendeinem Kafenion beim Ratschen sitzt.)“

 

Nun, in der Zwischenzeit hat sich einiges geändert, die Tür der Kapelle ist nämlich jetzt nicht mehr blau. Steht aber offen, so dass ich zuversichtlich bin, dass gleich eine Fähre ankommen wird. Während ich noch grübele, wie denn wohl die Autos auf die Fähre auffahren können, wenn da doch mitten auf dem Anleger ein Mini-Leuchtturm steht, da hat sie auch schon angelegt, aber nicht da wo ich vermutet habe, sondern ganz frech einfach daneben.  

 

 

Tickets gibt es an Bord, die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten, und die See ist ruhig, so dass ich dieses Mal keine Bedenken habe, auf Antiparos wieder sieben Tage wegen Sturms fest zu sitzen.

 

 

 

 

Der Fährverkehr wird offenbar von drei baugleichen Fähren durchgeführt, der PANAGIA KOIMISIS II für den Güterverkehr, und den beiden Personenfähren AGIA MARINA ANTIPAROU und  der

AG. SPIRIDON.  

 

 

Auch auf Antiparos begrüßt uns eine schmucke Kapelle am Anleger, diese nun wirklich mit blauen Fenstern und Türen, so ist die Welt wieder in Ordnung und wir schlendern fast automatisch in die Hauptgasse hinein, die in den letzten Zügen vor der mittäglichen Siesta liegt.    

 

 

 

Touristisch wird auch hier wirklich alles geboten, von Mopedverleih über Anti Wearhol Beachwear (ich denke er wird sich im Grabe umdrehen), bis zu Pool-Nudeln am Geldautomaten, falls der Bank mal das Wasser bis zum Halse stehen sollte.

 

 

 

 

 

 

Bei unserem letzten Aufenthalt war Antiparos noch eine durch und durch dörfliche Kykladeninsel, die Alten trafen sich im Kafenion  

To Kentriko an der Platia, hier war immer etwas los, die alten Fotos von Eberhard Fohrer in den ersten MM-Kykladenführern erinnern noch daran.

Heute ist der Platz in der Mittagszeit wie ausgestorben, ein paar einzelne Touristen wie wir streifen durch die Gassen und landen letztendlich durch den Torbogen im Kastroviertel, auf der Suche nach ein paar Fotomotiven.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Wehranlage stammt aus dem 15. Jahrhundert, zu der Zeit, als der Venetianer Giovanni Loredano die Maria Sommaripa von Antiparos geheiratet hatte, falls das jemanden interessiert. Ich habe es  jedenfalls von der kleinen Infotafel abgeschrieben. Jede Seite des Kastro-Rings maß übrigens 53,80 Meter, auch sehr interessant, oder?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach soviel Kultur wenden wir uns dann doch wieder dem Touristischen zu, durchqueren einen weiteren Torbogen und landen an den Sifnikos Stränden, nordseits gelegen.  

 

 

Das etwas raue Klima hier erinnert uns dann doch an unseren letzten unrühmlichen Aufenthalt in dieser Gegend, und so beschließen wir kurzerhand, die Rückfahrt anzutreten, zumal ein paar Fotos im Kasten sind und der nächste Adventskalender meinetwegen jetzt kommen kann.

 

 

 

 

 

 

 

Die Fahrt zurück geht ratzfatz, noch vorbei an einer sehr schönen Privatinsel, und wenn mich jemand fragen sollte, wo denn der Hafenort „Suvlaki“ liegt: Ich weiß es, ich weiß es!

 

 

 

Athen - Lykavittós