Schinoussa - Deli...cious! Mai 2014

 

 

 

Wie haben wir unsere Eltern bedauert, dass sie in den Sommerferien jahrelang immer dieselbe Nordseeinsel

aufgesucht haben, und wir mussten immer mit. Na ja,

vielleicht haben wir uns ja auch selbst ein wenig bedauert.

Wir wollten alles anders machen, wenn wir groß sind.

So sieht´s aus!

 

Heute fahre ich zum dritten Mal hintereinander nach Schinoussa. Und im 35. Jahr nach Griechenland. Wie langweilig! Aber auch in unserer Generation gibt es liebe Landsleute, die schon vierzig Mal und mehr ein und dieselbe Insel besucht haben. Ich schwöre! Obwohl, es war nicht Schinoussa, aber sowas Ähnliches.

 

Vier Wochen war die Skopi krank, jetzt fährt sie wieder,

Gott sei Dank!

 

 

Pünktlich zu unserem Reisebeginn kam die Express Scopelitis aus der Werft bei Athen, wo sie wegen eines Motorschadens lag,

und nahm ihre altgewohnte Route von Amorgós über die mickrig kleinen Kykladen (Mikres Kyklades) nach Naxos und zurück wieder auf. Die Insulaner waren schon etwas unruhig geworden, denn die Hauptversorgungsader war lange  versiegt. Und Blue Star ist nicht wirklich ein Ersatz, wenn es darum geht, die kleinen und großen Geschäfte zwischen den Inseln vertrauensvoll zu erledigen.

 

 

Wir stiegen in Naxos zu Jannis Skopelitis an Bord (ja, der Chef war selbst anwesend!), er musste wahrscheinlich in seiner Kajüte noch die ersten Fahrten persönlich kritisch beobachten, und er erlaubte mir einen Blick in sein Schlafbüro.

 

 

 

 

Schön ist es immer wieder, an Naxos entlang über den Schlenker nach Iraklia dann auf Schinoussa die Agios Nikolaios Kapelle anzusteuern, die wie zur Begrüßung mit ihrer Griechenlandflagge die Hafeneinfahrt markiert.  

 

Es hat schon etwas von „nach Hause kommen“, wenn man die gewohnte Unterkunft bezieht, auf die man sich so lange Monate gefreut hat, den Blick genießt und die Wärme.

Aber mit dem Blick genießen ist das so eine Sache.

Auch auf Schinoussa macht der Fortschritt nicht halt, und so wurde direkt vor unserer Aussicht eine Baustelle errichtet, zwei neue Ferienhäuser entstehen.

 

 

 

Noch erinnern sie mit ihrer Skelettbauweise eher an griechische Tempel, aber zum Glück wurden die Arbeiten für diesen Sommer gestoppt. Und so wenden wir unsere Blicke ein wenig mehr nach links und ignorieren die Skelette einfach. Schöner wird die Insel dadurch nicht. Die Bautätigkeit, die lange Zeit auf der Insel ruhte, zieht wieder an, die Krise scheint beendet zu sein, jedenfalls hier.

 

 

Generell ist die Architektur auf Schinoussa eher bescheiden, nicht so schön kykladisch wie auf den anderen Inseln. Der Ort kommt eher langweilig daher, Zweckbauten beherrschen das Bild, die typische Kykladenarchitektur fehlt – mit ein paar Ausnahmen.

 

 

 

 

 

Vielleicht ist auch das – und die nicht sooo tollenStrände – ein Grund, dass Schinoussa nicht ganz so beliebt bei den Touristen ist. Die durchschnittliche Verweildauer schätze ich mal auf ca. drei Nächte, zumindest in der Vor- oder Nachsaison. Abgesehen von den vielen Seglern, die meist nur eine Nacht im Hafen oder in der Bucht bleiben und abends die Restaurants bevölkern.

 

 

 

 

 

 

Aber gerade die internationalen Segler mit ihren hohen lukullischen Ansprüchen haben es ermöglicht, dass es überdurchschnittlich gute Restaurants auf dieser kleinen Insel gibt: das Deli, das Kira Pothiti oder auch das Meltemi und Nicolas.

Wir entscheiden uns einmal mehr für das Deli...

 

 

 

Denn Dimitris ist nicht nur ein sehr guter Koch, sondern hat auch ein Händchen für gutes Design. Heute sieht er etwas müde aus,

war gestern wohl spät geworden. 

Die Einrichtung, das Geschirr, die Dekoration, alles ist liebevoll gestaltet ohne kitschig zu sein, so dass wir uns rundherum wohlfühlen. Die grandiose Aussicht ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i. Eben Deli...cious.

 

 

 

 

 

 

Ein kühler Willkommensdrink auf der Terrasse der Bar im Erdgeschoss öffnet die Sinne für Dimitris´ Kochkünste, die er selbst gerne genau beschreibt. Da gibt es nicht einfach „Schwein im Backofen“, sondern er schildert ganz minutiös, wie er es zubereitet hat, wie lange es im Schmortopf garte, bei welcher Temperatur, welche Kräuter er hinzugefügt hat, woher das Schwein kam und welchen Namen es hatte. So ungefähr.

 

 

Denn Schweine gibt es hier wirklich auf der Insel, einige haben

wir sogar kennen gelernt. Obwohl, diese drei kleinen Schweinchen können den Inselbedarf sicher nicht auf Dauer decken.

 

 

Ganz vorzüglich im Deli sind die eingelegten Oliven, mit leichtem Orangengeschmack verfeinert.

 

 

 

Oder der gemischte grüne Salat mit Rucola, Sesam und Walnüssen, danach das geschmorte Rind in roter Sauce auf Naturreis.

 

 

Auch die Spinatküchlein sind nicht etwa frittiert, sie kommen sanft gebacken aus dem Ofen. Und alle Gerichte immer noch unter der magischen 10 Euro Grenze. Gut, Fisch vielleicht nicht.

 

Darauf geht dann nur noch ein letzter Schluck im Loza, wo sich die Griechen treffen, wir haben ein wenig Ellinika im Ohr. 

 

 

Und ein Heimweg in der Dunkelheit, begleitet vom Ziegengeläut.

 

 

 

Wir werden wiederkommen!

Ach ne, wir sind ja gerade erst angekommen ;-) 

 

 

 

Schinoussa - Mai 2014, update