Design oder Nichtsein, das ist hier die Frage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo steht die Wiege unserer Kultur?
Natürlich auf den Kykladen.

Diese ausgewogene Harmonie der Farben und Formen, dieses Spiel des schräg einfallenden Abendlichts auf der vielfach gekälkten Hauswand zeigt die handgeformten Strukturen der Oberflächen und Formen – von Künstlerhand.

Ja, hier scheint das Handwerk an sich noch Kunst zu sein.
Doch: lassen wir uns nicht täuschen.
Die Kultur ist dahin, das Design auch.

Wobei böse Zungen schon immer behaupteten, dass die Kykladenarchitektur der einfachen Formen lediglich aus der Not heraus geboren sei – form follows function.

 

 

Farbenfroh geblümte Tischdecken stehen heute im Wettstreit mit wilden Mustern der Bettwäsche oder Bettdecken im  Leopardenlook, die gerne blau-grün gestalteten Möbel passen haargenau zum Blau der Fensterrahmen (na gut, nicht ganz).

Die Handwerkskunst hat heute ihre Grenzen.

Nicht eine Ecke in dem neuen Haus zeigt einen Rechten Winkel. Die Tür im Badezimmer stößt unweigerlich ans Waschbecken, dafür lässt das Fenster sich nicht ganz öffnen, weil der Duschvorhang davor montiert ist. Der Ablauf der Dusche hat im Boden das höchste Niveau – rein geometrisch gesehen.

Steckdosen sind reichlich vorhanden, jedoch an der Wand hinter dem Bettgestell, welches beim Kauf größer ausgefallen war als die ursprüngliche Planung es vorsah.

Aber was wäre Griechenland ohne Improvisation?

Irgendwie geht alles. Hier ein Unterlegkeil zum Schließen der Fenster und Türen, dort ein Kupferdraht, der die marode Sicherung überbrückt.

Und überall werden die urigen griechischen Holzstühle durch Plastiksessel ersetzt ("ich war ein Joghurtbecher…"),

davor der passende Beistelltisch aus Leichtkunststoff - anfällig gegen Rempeleien beim Frühstückskaffee.

Grau – en – haft !

 

 

    

Kykladenträume