IRAKLIA 2026 - DIE FÄHRE EXPRESS SKOPELITIS

Natürlich überlegt man lange, wohin die nächste Reise auf die Kykladen gehen wird, man kennt sie ja alle und es ist fast wie ein Roulette im Kopf, auf welche Insel die Kugel fällt. Aber dann glaubst du, dass sie wirklich gefallen ist, und zwar mal wieder auf Iraklia, die Insel vom letzten Jahr, nicht weil sie die schönste ist, sondern die beste. Die ganz hohen Berge schaffst du nicht mehr, und du überlegst, wie dein Tagesablauf wohl werden würde, auf dieser ruhigen – eher unscheinbaren Insel, die du schon seit über 30 Jahren kennst. Allein schon das Glück, früh morgens mit Sonnenschein aufzuwachen, den ersten Blick über das blaue Meer hinüber zur nächsten Insel zu schicken, den Kaffee aufzubrühen und zu hoffen, dass der Tag nicht zu heiß werden wird. Aber am Vormittag ist das Wetter wunderbar, du schlenderst durch das Dorf, machst die Runde, tauchst im Perigiali-Supermarket auf, der noch kleiner ist als der Tante Emma Laden deiner Kindheit, hälst ein kleines Schwätzchen mit Popi, die den Laden führt, sie ist die Tochter deiner Vermieterin, 
kaufst ein bisschen fürs Frühstück ein, Brot, Margarine, Marmelade, alles sauteuer hier, Inselpreise halt, aber was soll man machen? Weiter geht´s zur Melissa, dem ältesten Kafenio im Ort, Ticketbüro, Krämerladen, zu Georgia und Vangeli, die du auch seit dem ersten Besuch kennst. Sie gehören zu den wenigen auf der Insel, die ausschließlich Griechisch sprechen, kein Englisch, und vielleicht deshalb ist die Atmosphäre hier so authentisch, das sagen jedenfalls alle, obwohl die Terrasse ganz neu gemacht wurde, der Postkasten und die Schiefertafel mit den Schiffsabfahrten entfernt wurden, und jetzt alles ein klein wenig zu cool wirkt. Nur die Kartoffelkiste ist geblieben. Aber ja, die Zeit bleibt nicht stehen. Und immer wieder denkst du, „Was ist jetzt anders als zu Hause?“ Dort, wo du ein komfortables Leben führst, ein schönes zu Hause hast, die vollen Supermarktregale, deine Freunde, die Familie. Und dann spürst du diese Wärme auf der Haut, die deinen ganzen Körper erfasst, die – wie du meinst – anders ist als in Spanien oder Südfrankreich oder irgendwo – und du weißt warum du hier bist.

Sie ist wieder da!
Heute um sechzehn Uhr wird sie kommen, die kleine Fähre, die fast täglich die Runde über die Kleinen Ostkykladen macht. Express Skopelitis ist ihr Name, benannt nach ihrem Kapitän, dem Dimitiri, oder besser gesagt nach dessen Vater, dem Giannis, oder noch besser dem Großvater – natürlich auch Dimitiri - oder eben der ganzen Familie. Früh morgens war sie schon einmal da, diesmal vom Heimathafen Amorgos aus gestartet, mit dem Ziel Naxos, aber dann ist nicht viel los am Anleger von Iraklia, kaum Waren, kaum Passagiere. Nur die steigen ein, die jetzt dringend nach Naxos müssen, zum Arzt oder zur Bank, oder um etwas günstiger einzukaufen. Das meiste kommt am Nachmittag auf der Route von Naxos. Dann kommen sie, die Touristes, und mit ihnen Koffer und Pakete, Paletten von Blumen, Baumaterial und dies und das. Viele Fähren legen nicht hier an, an diesem kleinen Hafen von Iraklia, und so ist die Skopi – wie sie liebevoll genannt wird – der Lebensnerv der Insel, auf den sich alle Inselbewohner verlassen können, ist fast schon zum Kultobjekt geworden, auch für uns Touristen, und jede Fahrt mit ihr ist ein bleibendes Erlebnis.

RICHIS KYKLADENFIEBER