IRAKLIA - WELCOME, JUNI 2018

„WELCOME“ to Iraklia. Die Großbuchstaben, die am Felsen links neben der Hafenmole hängen, erinnern ein wenig an den HOLLYWOOD Schriftzug in den Bergen über Los Angeles. Allerdings sehen sie hier auf Iraklia etwas verschandelter aus, als hätte jemand ein Graffiti darüber geklebt. Erst beim zweiten Hinsehen merke ich, dass der Inselname IRAKLIA mehr oder weniger gekonnt in Blau darüber montiert wurde. „Man muss et mögen“ sagt der Kölner zu dieser Art der art.
Es gibt Orte auf dieser Erde, die eine geheime Kraft haben, die stark auf mich wirken und die mir selbst Kraft geben. Iraklia gehört dazu. Das wusste ich schon seit ich das erste Mal hier war, oder besser gesagt, seit ich das erste Mal diese Insel wieder verlassen musste. Ich kann es nicht weiter erklären, aber es ist so, nach ein paar Tagen dort spürst du diese Kraft, eine innere Kraft, die dir Ruhe und Ausgeglichenheit gibt.

Wo soll ich anfangen? Natürlich bei den Menschen der Insel, die das Gefühl der Geborgenheit geben, das Gefühl beachtet zu werden. Es ist manchmal erstaunlich. Ich fahre – in früheren Jahren - auf der Skopelitis an der Insel vorbei, um erst einmal ein paar Tage woanders zu verbringen, verstecke mich im Gewusel der Mitreisenden an Deck, komme nach ein paar Tagen dann doch nach Irkalia und werde gleich angesprochen: „Wo warst du? Ich hab dich doch vor ein paar Tagen schon auf der Skopelitis gesehen?“ Unglaublich, sie sehen alles und merken sich alles. „Man muss es mögen“.

Da ist die herzensgute Anna mit ihren rotgefärbten Haaren, bei der wir immer wohnen.
Viele werfen ihr eine gewisse Geschäftstüchtigkeit vor, aber sie bringt damit die ganze Insel voran. Ihre Tochter betreibt den Supermarkt Perigiali, ihre Enkelin hat neuerdings dort auf dem Dach ihre eigene Bar eröffnet, sie hat sie „En Lefko“ getauft.

Der Supermarkt hat jetzt in seiner neuen Location die Tavern „Perigiali“ verdrängt, aber das schadet dieser nicht, „Akathí“ ist einfach in ein neues Haus gezogen, das Lokal heißt jetzt wie die Chefin und ist besser besucht als je zuvor, gilt als die beste Taverne der Insel, zu Recht, was aber auch Nachteile mit sich bringt. Denn  auch Iraklia wurde inzwischen von vielen Seglercrews entdeckt. Sie laufen den beschaulichen Hafen an, und haben schon vorab diverse Tische bei Akathí reserviert. So kann man von Glück sagen, wenn man abends noch einen freien Tisch dort findet.

Aber es gibt ja noch einige andere Lokalitäten in Agios Georgios auf Iraklia. Da wäre  von Akathi kommend das „To perasma“ Café und Waffelhaus, dann das U-Boot,  die Psarotaverna „To ypovrýchio“, die von Annas Sohn Dimitri fast täglich mit fangfrischem Fisch beliefert wird, was sich in der Vorsaison aber bei den meisten Touristen wohl noch nicht herumgesprochen hat, es ist dort immer leer.

Oder das „Syrma“ von Vangelis direkt an der Hafenbucht, mit tollem Ausblick und guter bodenständiger griechischer Küche. Sensationell am Abend der beeindruckende Blick auf die Blue Star in der kleinen Hafenbucht von Iraklia.

Danach fehlt dann nur noch ein Absacker bei der freundlichen Georgia in der Melissa, wo sich die Inselwelt zum Schwätzchen trifft.

Leider hat Niko mit meinem Lieblinkslokal „Maistrali“ die Kochkünste ganz eingestellt, seine Fremdenzimmer erweitert und einen weiteren Teil seiner Tavernenterrasse den Rooms geopfert, so dass er hier nur noch zur Weltmeisterschaft Fußballgucken und Mesedes, aber kein Abendessen anbietet. Krima!


Wir weichen in das „Pera Panta“ am sauber und äufgeräumt wirkenden Livadistrand aus, und auch dieses Lokal bietet überraschender Weise mit neuem Team eine gute Atmospähre und gute Küche an, denn auch hier gilt: Neuer Schwung in alter Küche.

Das Wandern über die Insel mit ihrer fast schon lieblichen Landschaft macht immer wieder Freude und spendet uns diese geheimnisvolle Kraft, von der ich am Anfang sprach, wir wandern quer über die Insel, zur Vorini Spilia Bucht, rund um den verschlafenen Ort Panagia und erklimmen auf dem berühmten Salzweg die Höhen über der Hafenbucht mit Blick auf die auslaufende Blue Star.

Inzwischen werden die Wolken über Naxos immer üppiger, türmen sich zu massiven Wolkenbergen auf und verheißen nichts Gutes. Und so kommt es am nächsten Tag wie es kommen muss, heftige Gewitter mit bis zu Golfball großen Hagelkörnern am Livadi prasseln über uns herab, ein Schauspiel, wie man es im Juni auf den Kykladen nur selten erlebt.

Aber das Wetter ändert sich schnell, wir ziehen mit der Skopelitis weiter zur nächsten Insel.

RICHIS KYKLADENFIEBER